Auction results for artworks by Volker TANNERT


Gleichzeitig haben die USA und die Europische Union jahr-zehntelang die Mrkte der Entwicklungslnder mit Nahrungsmittellieferun-gen geflutet, die zu Dumpingpreisen geliefert wurden und so der dortigen Agrarentwicklung den wirtschaftlichen Boden entzogen. Die Arbeitsteilung über die Landesgrenzen hinaus wurde zur wichtigen Triebkraft der wirtschaftlichen Entwicklung und der daraus erwachsene internationale Handel ging einher mit dem ersten Siegeszug des Marktliberalismus. Und wissen Sie was? In den reichen Industrie-staaten, wo die Verbraucher weniger als zehn Prozent ihres Einkommens fr Nahrungsmittel ausgeben und der Rohstoffanteil nur einen Bruchteil am Ver-kaufspreis ausmacht, fllt das fr die meisten Menschen kaum ins Gewicht, sie bemerken es zumeist nicht einmal. Spectres of speculation,

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Dabei handelt es sich um Vertrge ber Rohstoffkufe oder -verkufe, die zu einem Termin in der Zukunft abgewickelt wer-den. Traditionell dienen diese Vertrge den Anbietern und Verarbeitern von Rohstoffen zur Preisabsicherung zuknftiger Geschfte.

Nur so knnen sie mit Produk-ten, die wie Rohstoffe starken Preisschwankungen unterliegen, sicher kalkulieren. Ein Brotfabrikant kann sich so zum Beispiel eine Weizenlieferung in sechs Monaten zu einem festen Preis reservieren, damit er fr seine Brotproduktion keine Verluste frchten muss. Damit Kufer und Verkufer immer genug Abnehmer und Anbieter fr Geschfte in der Zukunft finden, ist es erforderlich, dass es gengend Akteure gibt, die aus-schlielich mit diesen Futures handeln und damit Geld verdienen wollen, und die mit dem eigentlichen phy- sischen Geschft nichts zu tun haben.

Diese Rolle fllen die Spekulanten aus. Sie sind in einer gewissen Anzahl unverzichtbar, damit Brsen berhaupt funktionieren knnen. Von Der ntzlicHen zur exzessiVen speKulation Von diesen traditionellen Spekulanten unter- scheiden sich jedoch die heute an den Br- sen berwiegend ttigen Investoren.

Sowohl das Volumen ihrer Geschfte als auch ihre Anlage-strategie haben mit den eigentlichen Rohstoffgeschften von Produzenten und Verarbeitern und der damit ver-bundenen notwendigen Preisabsicherung nichts mehr zu tun. Die Anleger investieren vielmehr in Futures, weil sie diese langfristig als rentable Kapitalanlage be- trachten. Dies hat den Anteil des rein spekulativen Handels am Gesamtmarkt fr Rohstoff-Futures von ehedem rund 30 auf heute etwa 80 Prozent an-schwellen lassen.

Dies hatte jedoch gravierende Auswirkungen. Die Mrkte fr Rohstoff-Futures wurden ursprnglich eingerichtet, um es Produzenten und Verarbeitern zu ermglichen, sich gegen Preisschwankungen abzusichern.

Als Ins- trument zur Kapitalanlage waren sie nie gedacht und sind wegen des begrenzten Volumens der zugrunde liegenden physischen Gter dafr auch nicht geeignet. Indem die Investoren sie nunmehr als Kapitalanlage nutzen, schaffen sie aber aufgrund ihrer Marktmacht ber lngere Phasen eine scheinbare zustzliche Nach-frage nach Rohstoffen, die letztlich dazu fhrt, dass die Rohstoffpreise hher sind, als sie es ohne diese finanz-marktgetriebenen Investitionen wren.

Dieses Argument trifft fr normale Spekulanten zu, deren Handel mit Futures sich nach der tatschlichen Entwicklung von Angebot und Nachfrage fr Rohstoffe auf dem physischen Markt richtet.

Es bersieht allerdings, dass die finanzmarkt-getriebenen Anleger an den Rohstoffbrsen sich eben nicht wie normale Spekulanten verhalten, sondern unbeeinflusst von Angebots- und Nachfrageentwick-lung kontinuierlich und ber einen lngeren Zeitraum hinweg ausschlielich kaufen und nicht verkaufen und dadurch die Future-Preise und damit eben auch die Spot-Preise knstlich verteuern.

Die vorliegenden wissenschaftlichen Auswertungen der in den USA er- hobenen Brsendaten zeigen, dass die anwachsende Kapitalanlage auf den Rohstoffmrkten Getreide, Speise- l und Benzin ber lange Phasen um bis zu 25 Prozent verteuert. Die Folgen treffen vor allem die Armutsbe-vlkerung in den Entwicklungslndern, deren Lebens-mittel- und Energieversorgung von Importen und den Weltmarktpreisen abhngig ist. In der Folge treiben des-halb Faktoren wie Zinshhe, Risikobereitschaft oder fallende Aktienkurse die Preise fr Rohstoffe, vllig unabhngig davon, wie sich Angebot und Nachfrage fr die physische Ware entwickeln.

Das bedeutet nicht, dass Missernten, ein Rckgang der lfrderung oder steigender Verbrauch fr die Erzeugung von Bio-Treib-stoffen nicht ebenso die Rohstoffpreise steigen lassen. Aber die Finanzanleger knnen die damit ausgelsten Preisschbe in hohem Mae verstrken und verlngern. Fr einen Getreideproduzenten wre es konomisch unsinnig, Ware signifikant billiger anzu- bieten als zum Preis der Futures, die ihm diese Finanz- instrumente fr einen Zeitraum von einem oder zwei Monaten im Voraus garantieren.

Genau so wenig macht es fr einen Getreideverarbeiter Sinn, Ware in der Gegenwart teuer zu kaufen, wenn er sie in naher Zukunft billiger beziehen kann. Wenn aber die Preise fr die Futures aufgrund finanzmarkt-getriebener Anlegerstrategien hher sind, als sie es ohne diese Anleger wren, hat das vor allem auch bei Lebensmitteln unmittelbar negative Konsequenzen.

Vielmehr handelt es sich allein um Wetten auf die Wertentwicklung der gehandelten Rohstoffe. Dabei sind die Ertrge fr die Anleger eher bescheiden und durch andere Anlagestrategien min- destens ebenso gut zu erreichen.

Die Lenkung von Anlagekapital auf die Mrkte fr Rohstoffe dient da- gegen vor allem den Interessen der beteiligten Finanz-institute und Brsenkonzerne, die dabei ohne jedes Risiko ber die erhobenen hohen Gebhren sichere Gewinne erzielen. Deshalb haben diese auch das grte Interesse, dass sich an der gegenwrtigen Situ-ation nichts ndert. Kein mangel an BeWeisen Die verantwortlichen Manager der Finanzbranche argumentieren, es ge- be keine Beweise dafr, dass Finanz- investoren auf den Rohstoffmrkten einen mehr als nur kurzfristigen Einfluss auf das Preisniveau haben.

Diese Behauptung ist nicht haltbar. Fr den Rohlmarkt ist dieser Zusammenhang sogar unter den Fachleuten der Finanzbranche selbst nicht mehr umstritten. Weil die lpreise aber ber die Ausgaben fr Treibstoff und Dngemittel zu etwa einem Viertel unmittelbar auf die Kosten der Getreideproduktion und -vermarktung durchschlagen, kann der Einfluss der Finanzanleger auf die Nahrungsmittelpreise schon deshalb als gesichert gelten. Zahlreiche in diesem Report angefhrte empi- rische und konometrische Untersuchungen von Fach- leuten aus angesehenen Institutionen und Universitten haben diesen Einfluss aber auch fr den Lebensmittel-sektor belegt.

Die Belege reichen nach Auffassung von foodwatch aus, um den Miss- brauch der Rohstoffbrsen fr die Ka- pitalanlage zu verbieten. Aber selbst wenn die Verant-wortlichen in Finanzindustrie und Regierungen diese Belege nicht als beweiskrftig anerkennen, entbindet sie das nicht von der Verantwortung, gegen diese Finanzinnovationen vorzugehen.

Denn diese stehen zumindest im dringenden Verdacht, die Gesundheit von Menschen zu schdigen. Die Verpflichtung fr die europische Politik, regulierend in die Spekulationen mit Rohstoffen einzugreifen, lsst sich auch aus dem europischen Grundrecht ableiten.

In den rechtlichen Bestimmungen des Lissabon-Vertrages, die den Schutz der Umwelt regeln, ist das sogenannte Vorsorgeprinzip verankert.

Es schreibt prventives Handeln zum Schutz von Leib und Leben vor, wenn stichhaltige Belege vorhanden sind, auch wenn noch keine letzte wissen-schaftliche Klarheit ber kausale Zusammenhnge besteht.

Artikel schliet ausdrcklich den Schutz der Gesundheit von Menschen ein. Ausgehend vom Vorsorgeprinzip muss bei der Beurteilung der Finanz-marktinvestitionen im Rohstoffbereich daher die Um- kehr der Beweislast gelten: Die Anbieter und Vermark-ter mssen die Unschdlichkeit ihres Tuns beweisen.

Solange die beteiligten Finanzunternehmen dazu nicht in der Lage sind, ist es rechtlich geboten, dass Regie-rungen und Aufsichtsbehrden alles tun, um mgliche Gefahren fr Leben und Gesundheit der Menschen in den Armutslndern durch die Rohstoffspekulation abzuwenden.

Das heit im Klartext: Der Handel mit Rohstoff-Futures muss strikt reguliert werden. Dazu muss die absolute Zahl der zum Zweck der Spekulation geschlossenen Warenterminvertrge begrenzt, das heit es ms-sen Positionslimits definiert werden. Der amerikanische Kongress hat mit der im Juli verabschiedeten Reform der Finanzmarktgesetze die zustndige Aufsichtsbehrde bereits beauftragt, solche Positionslimits zu erlassen.

Eine vergleichbare Gesetzgebung gibt es dagegen in der Europischen Union bisher nicht. Die anstehende Reform der EU-Richtlinie ber die Mrkte fr Finanzinstrumente erffnet aber die Mglichkeit, solche Positionsgrenzen auch an den europischen Rohstoffbrsen zwingend vorzuschreiben.

Um sie wirksam einzusetzen, mssen die Aufsichtsbehrden sicher unterscheiden knnen, welche Transaktionen nur fr spekulative Zwecke gezeichnet werden und welche der Preissicherung fr den Handel mit der physischen Ware dienen. Diese Unterscheidung wird aber zusehends schwieriger, weil auch Finanzkonzerne wie Morgan Stanley, Deutsche Bank oder Goldman Sachs mittlerweile in den physischen Handel eingestiegen sind, whrend lkonzerne wie Shell und BP sowie die groen Getreidehandelsunternehmen Cargill, Bunge und ADM ihrerseits auch im Geschft mit speku-lativen Finanzanlagen auf dem Rohstoffmarkt operieren.

Darum ist es notwendig, zustzlich auch die Kapitalquellen fr die Rohstoffspekulation trockenzulegen. Stattdessen beteiligen sie Hunderttausende von Anlegern an einem ethisch und rechtlich unhaltbaren Wettspiel, das fr die Armutsbevlkerung in vielen Lndern der Welt verheerende Folgen hat. Rund eine Milliarde Menschen weltweit knnen sich nicht ausreichend ernhren, weil sie nicht ber gengend Geld verfgen, um die bentigten Nahrungsmittel zu kaufen. Unterernhrung und die da- durch verursachten Krankheiten sind in mehr als 40 Lndern der Erde noch immer die wichtigste Todesursache.

Und mit bengstigender Routine warnen Regierungen, Hilfsorganisationen und die Institutionen der Vereinten Nationen UN beinahe wchentlich davor, dass die Lage sich weiter verschlechtert. Denn seit dem Jahr , unterbrochen nur vom Einbruch der Nachfrage infolge der groen Finanzkrise des Jahres , steigen die Preise fr Grund-nahrungsmittel im globalen Mastab.

Gleich ob Getreide, Speisel, Zucker oder Milch: Alle wichtigen agrarischen Rohstoffe fr die menschliche Ernh-rung waren auf den Weltmrkten im Frhjahr nach Abzug der Inflation mindestens doppelt so teuer wie zehn Jahre zuvor. In den reichen Industrie-staaten, wo die Verbraucher weniger als zehn Prozent ihres Einkommens fr Nahrungsmittel ausgeben und der Rohstoffanteil nur einen Bruchteil am Ver-kaufspreis ausmacht, fllt das fr die meisten Menschen kaum ins Gewicht, sie bemerken es zumeist nicht einmal.

Doch fr die rund zwei Milliarden Menschen in den Entwicklungslndern, die den grten Teil ihrer Einknfte fr die Ernhrung verwenden mssen, bedeuten die Preissteigerungen gra-vierende Einschrnkungen und vielen bringen sie Krankheit und Tod. Allein im Jahr seien die Nahrungspreise um mehr als ein Drittel gestiegen, berichtete die Weltbank und schtzte die Zahl der Menschen, die nur dadurch zustzlich in absolute Armut gestrzt wurden, auf mehr als 40 Millionen.

Wenn die Preise jetzt noch einmal, wie von vielen Fachleuten be- frchtet, um ein Drittel steigen wrden, seien weitere 30 Millionen Menschen von Hungersnot bedroht. Damals fhrte die Preisexplosion fr Getreide aller Art zu Massenprotesten in gleich 61 Staaten in Asien, Afrika und Mittelamerika, die erst wieder abebbten, als mit dem Einsetzen der Finanzkrise die Rohstoffpreise weltweit wieder drastisch fielen.

Die Kombination aus steigenden Preisen fr Nahrungsmittel und l schaffe einen Molotow-Cocktail fr Afrika, mahnte der ausgewiesene Entwicklungsexperte fr den afrikanischen Kontinent. Fr die rund zwei milliar-den menschen in den entwicklungs-lndern, die den grten teil ihrer einknfte fr die ernhrung verwenden mssen, bedeuten die preissteigerungen gravierende einschrnkungen und vielen bringen sie Krankheit und tod. Betroffen sei insbesondere die Armutsbevlkerung in den Stdten, die fr Essen und Transport nicht mehr zahlen knne.

Dringend wrden mehr Mittel bentigt, um Katastrophen zu ver-meiden oder wenigstens zu lindern. Die Welt, konstatierte die deutsche Welt- hungerhilfe, fahre mit Vollgas in die nchste Hungerkrise. Bis Ende Mrz hatten Investo-ren aller Art, von milliardenschweren Pensionsfonds ber die Versicherungs-konzerne bis hin zu vielen tausend Kleinanlegern mehr als Milliarden Dollar in Wertpapiere investiert, mit denen sie vom Anstieg der Rohstoffpreise profitieren, meldete die britische Grobank Barclays.

Rechnet man die Inves-titionen fr die Finanzinstrumente auf Rohstoffpreise hinzu, die auerhalb der Brsen abgeschlossen werden, dann waren es sogar weit ber Milliarden Dollar. Das ist mehr als je zuvor und mehr als das Vierzigfache dessen, was zu Beginn des vergangenen Jahrzehnts in diesem Sektor des Kapitalmarktes angelegt war. Knapp ein Drittel dieser Summe floss in Anlagen fr Agrarroh-stoffe, mehr noch als in die fr Rohl und Erdgas, und diese Summe steige monatlich um fnf bis zehn Milliarden Dollar an, berichteten die Analysten der Barclays-Bank, die selbst zu den fhrenden Investmenthusern an den Rohstoffmrkten zhlt.

Der Agrarbereich ziehe nicht nur die meisten Mittel an, sondern sei dabei auch der Sektor mit der besten Performance und habe seit Anfang bis zu 50 Prozent Rendite eingebracht. Insgesamt, so stellen die Investmentstrategen fest, sei jetzt die Zeit, wo die Entscheidung das Portfolio ber Rohstoffanlagen zu diversifizieren, sich am besten auszahlt.

Sind es womglich die Kapitalanlagen auf den Rohstoffmrkten, die die Preise in die Hhe treiben? Die Spekulation mit Rohstoffen und Agrargtern erzeuge einfach Wucher und bedeute eine Plnderung der armen Lnder, die auf Nah-rungsmittel- und limporte angewiesen seien, erklrte er im Februar bei einer Versammlung der Afrikanischen Union in Addis Abeba. Die Spekulation treibe die Preise und msse begrenzt werden, indem an den Brsen und Mrkten fr Rohstoffan-lagen neue Regeln eingefhrt werden.

Doch so naheliegend diese Forderung ist, so energisch ist auch der Wider-stand, der Sarkozy und anderen Kritikern der Rohstoffinvestoren entgegen-schlgt. Nicht nur dass zahlreiche GRegierungen, insbesondere jene der groen Rohstoffexportstaaten Brasilien und Kanada Sarkozys Vorsto rund-heraus eine Absage erteilten. Zugleich weist die global organisierte Gemein-de der Investmentbanker und mit ihnen zahlreiche einflussreiche konomen mit aller Macht die zugrunde liegende These von der Spekulation als Preis-treiber zurck.

Und auch sie haben ein starkes Argument: Demnach sei die zentrale Ursache fr die Preissteigerung, dass die Produktion insbesondere bei Getreide und lsaaten und der Frderung von Rohl nicht schnell genug zunehme, um die wachsende Nachfrage zu decken, die sich aus dem Aufstieg der Schwellenlnder ergibt. Tatschlich tragen viele verschiedene Faktoren zur Verteuerung der Nahrung bei.

Dazu zhlt keineswegs nur die steigende Nachfrage, die ja im Prinzip durch stei- gende Produktion ausgeglichen werden knnte, wie es ber Jahrhunderte auch stets gelang. Doch die groe Mehrzahl der heute vom Mangel betrof-fenen Entwicklungslnder hat bis zur Hungerkrise des Jahres die Investitionen in ihre Landwirtschaft ber Jahrzehnte strflich vernachlssigt.

Darum erreicht die Produktivitt der Agrarwirtschaft dort oft nur mittelalter-liches Niveau. Gleichzeitig haben die USA und die Europische Union jahr-zehntelang die Mrkte der Entwicklungslnder mit Nahrungsmittellieferun-gen geflutet, die zu Dumpingpreisen geliefert wurden und so der dortigen Agrarentwicklung den wirtschaftlichen Boden entzogen.

Steve Strongin, Goldman Sachsfrage nach Getreide erheblich angehoben hat, whrend zugleich die Verteu-erung von Rohl und Erdgas Dnger und Diesel teurer machen und so ihrer-seits die Getreideproduktion verteuern. All das liefert jedoch keine Antwort auf die eigentlichen Fragen, die mit dem Aufstieg von Rohstoffinvestments zum Renner auf dem Markt fr Kapital-anlagen verbunden sind: Warum wird das Brot fr die Welt berhaupt ber Brsen gehandelt und das noch dazu von Kapitalanlegern, die weder mit der Produktion noch mit der Verarbeitung von Nahrungsmitteln irgendeine Ver- bindung haben?

Welchen wirtschaftlichen Sinn macht es, dass an den Roh-stoffbrsen tglich ein Mehrfaches des gesamten Weltgetreideverbrauchs oder der lproduktion gehandelt wird? Wer zahlt letztlich fr die Gewinne der Anleger, wenn nicht doch die Verbraucher? Und ungeachtet der anderen preistreibenden Faktoren: Knnte es nicht doch sein, dass die massenhafte Spekulation auf den Rohstoffmrkten den Preisauftrieb und damit die Not von vielen Millionen Menschen zwar nicht verursacht, aber doch drastisch verschrft?

Fr diese Behauptung gebe es keinen Beweis10, so lautet das seit Jahren von der Finanzwelt und ihren konomen vorgetragene Mantra, wie es auch die Rohstoff-Analysten von Barclays Capital in einer im Februar verffent-lichten Studie wieder feststellten. Doch mindestens ebenso viele unabhn-gige Experten haben umfangreiche Studien vorgelegt, in denen sie eben das ausfhrlich belegen und der erbittert gefhrte akademische Disput hlt bis heute an.

Wer wissen will, welche Seite die besseren Argumente hat, der trifft auf ein hchst komplexes Geflecht von Banken, Brsen und Finanzinvestoren, die ihr umstrittenes Geschft mit Begriffen wie Futures und Forwards, OTC-Swaps oder Indexfonds beschreiben und aller Kritik stets mit einem Berg von Daten begegnen, deren berprfung von Laien kaum zu leisten ist. Und auch auf dieser Ebene arbeiten die Akteure mit Begriffen und Methoden, welche die im Grundsatz so wichtige Auseinandersetzung weitgehend der ffentlichen Debatte entziehen.

Dieser Report hat daher zum Ziel, umfassend und verstndlich alle jene zu informieren, die sich von der Komplexitt der Debatte nicht abschrecken lassen und sich selbst eine Meinung bilden wollen. Die Spekulation mit dem tglichen Brot ist fast so alt wie die geschriebenen Erinnerungen der Menschheit. Und genauso lang whrt auch schon der Kampf dagegen.

Denn seitdem es Staaten und Reiche gibt, seitdem versuchen Re-genten und Regierungen auch dem Geschft mit der Nahrung enge Grenzen zu ziehen.

Schon von den ersten gyptischen Pharaonen im dritten Jahrtausend vor Chris- tus ist berliefert, dass sie eine staatliche Getreideverwaltung unterhielten.

Die biblische Geschichte vom findigen Joseph, der im Auftrag des Pharao Ge-treidespeicher anlegte, und damit fr Mangelzeiten vorsorgte, geht vermut-lich auf diese Zeit zurck.

Ob Joseph damit der erste Spekulant war, wie vielfach beschrieben, dazu sagt der Bibeltext nichts aus. Bis zur Herrschaft von Ptolemus I. Von der Landzuteilung ber die Getreidespeicher bis zum Handel war alles geregelt, einschlielich der Preise, die per Dekret vorgeschrieben waren. Exporte waren ausdrcklich verboten. Wer dagegen verstie, musste mit harten Strafen rechnen.

Aus dem Jahr vor Christus berichteten zeitgenssische Chronisten ber eine Gruppe von Getreidehndlern, denen wegen Hortens und geheimer Absprachen ffentlich der Prozess gemacht wurde. Ganz hnlich sorgte auch die rmische Republik schon bald nach ihrer Grndung fr die Versorgung der Bevlkerung mit Getreide und Mehl und hielt ber Jahrhunderte an diesem Regime fest.

Ebenso hielten es auch die chinesischen Kaiser. Seit jeher ging derlei Kontrolle auch einher mit der moralischen chtung der Spekulation mit Nahrung. Auch im islamischen Recht gilt die Spekulation seit je als Snde und ist zumindest formal bis heute unzulssig. Thomas von Aquin, Autor der bedeutendsten philosophisch-ethischen Schriften des Christentums im Hochmittelalter, 11 Siehe z.

Hermann unterstger, Der allererste Spekulant, Sddeutsche zeitung, Das entsprach der feudalen Ordnung seiner Zeit, deren Regenten dem berregionalen Handel wenig Raum lieen. Der internationale Handel blhte wieder auf, Kaufleute grndeten Brsen in den neuen Handelszentren in Italien und den Niederlanden und mit ihnen wurde Spekulation aller Art Teil des wirtschaft- lichen Alltags. So etwa in Antwerpen und Amsterdam, wo in den 30er-Jah-ren des Jahrhunderts Brsen fr den Getreidehandel entstanden.

Schon dort gab es tgliche Notierungen fr Weizen und Roggen und erstmals han-delten die Brsenmitglieder dort auch auf Termin.

Das heit, Hndler kauften und verkauften Schiffsladungen, die erst in der Zukunft anlanden sollten. Aber auch damals schon zogen die Profiteure dieser Geschfte den Zorn ihrer Mitbrger auf sich, wenn die Preise stiegen. Deutsche und flmische Hndler wurden in Amsterdam der schweren Snde beschuldigt, weil sie forderten, was der Markt hergab, und die Behrden stellten den Handel er-neut, wie schon ihre antiken Vorgnger, unter strikte Aufsicht.

All das nderte sich mit der industriellen Revolution im Die Arbeitsteilung ber die Landesgrenzen hinaus wurde zur wichtigen Trieb-kraft der wirtschaftlichen Entwicklung und der daraus erwachsene interna-tionale Handel ging einher mit dem ersten Siegeszug des Marktliberalismus.

Staatliche Eingriffe in das Handelsgeschehen galten als hinderlich fr die Pros- peritt. Darum waren es die Hndler jener Tage, welche die Strukturen fr den weltweiten Handel mit Nahrungsmitteln schufen, die in ihren Grund-zgen bis heute erhalten geblieben sind.

Private Unternehmen traten an die Stelle der staatlichen Monopole. In die gleiche Zeit fiel auch die Grndung jener Institution, die seit Jahrzehn-ten und heute wieder im Zentrum der weltweiten Debatte ber die Speku-lation auf den Rohstoffmrkten und deren staatliche Regulierung steht: Im Jahr grndeten 82 Ge- treidehndler darum dort ihre Brsengesellschaft, um einen zentralen Han- delsplatz fr ihre Geschfte zu schaffen. Auf Basis definierter Standards und einklagbarer Rechte fr alle Beteiligten sollten die Preise ffentlich und nach-vollziehbar ausgehandelt werden.

Doch nur in ausnahmefllen werden Futures tatschlich mit einer physischen Lieferung erfllt. Stattdessen werden sie zumeist finanziell abgewickelt. Kufer und verkufer schlieen das Geschft nicht direkt miteinander ab, sondern je-weils mit der Brse, die als zentraler vertragspart-ner fungiert. So gibt es neben dem Handel mit dem physischen Rohstoff auch den rein finanziellen Handel, beide knnen unabhngig voneinander gettigt werden.

BeispielEin agrarhndler wei im Mrz, dass er im august Tonnen Brotweizen verkaufen muss, um in seinem Getreidesilo Platz fr die neue Ernte zu schaffen. Ein Blick auf die notierungen der euro-pischen Getreidebrse Matif zeigt ihm, dass dort fr Weizen zum Liefertermin august Euro pro Tonne geboten werden. Das entspricht den Erwartungen eines Kufers, zum Bei- spiel eines Brotfabrikanten, der fr einen entsprech- enden Kaufkontrakt bietet. So treffen sich die beiden Gebote elektronisch, und ber den Brsenrechner werden beide vertrge automatisch gltig.

Die so gezeichneten Kontrakte haben nun einen nominal- wert von 10 Kontrakten x 50 Tonnen x Euro, also Der agrarhndler geht damit eine sogenannte Short-Position ein. Der Kufer auf der anderen Seite hlt dafr eine Long-Po-sition. Der agrarhndler erlst somit fr den verkauf seiner Tonnen Weizen an einen Ku-fer auf dem physischen Markt, zum Beispiel ei-nen Mhlenbetrieb, nur Das ber die Br-se abgeschlossene Warentermingeschft schtzt ihn jedoch vor einem verlust.

Denn damit hatte er ursprnglich das Recht erworben, fr Euro pro Tonne zu verkaufen. Weil das in der Praxis zu aufwendig ist, wird die- ses Geschft an der Brse ausschlielich finanziell abgewickelt.

Fr unser Beispiel heit das, der agrarhndler muss ebenso viele Kaufvertrge fr Tonnen Brot-weizen an der Brse kaufen, wie er ursprnglich verkaufsvertrge erworben hatte. So heben sich seine Long- und Short-Positionen gegenseitig auf und die vertrge werden damit neutralisiert.

Da er die Kaufvertrge wegen des gesunkenen Weizen-preises aber mittlerweile fr 7. Darum macht er einen Brsengewinn von Diese Summe wird ihm auf seinem Brsenkonto gutgeschrieben.

Der Handel mit Futures an der Brse erfllt also fr den agrarhndler die Funktion einer art Preisversicherung. Fr diese versicherungs-dienstleistung erhebt die Brse Gebhren von rund einem Euro pro Future.

Dadurch kann der Hndler sei-nen Weizen fr Er muss nun seine an der Brse erworbenen verkaufsvertrge glattstellen, indem er zehn Kaufkontrakte zum Preis von Euro pro Tonne erwirbt, also fr nominal Die Differenz zwischen dem Wert seiner ursprng-lichen verkaufsvertrge in Hhe von Damit macht er einen brslichen verlust von Den gleichen Mechanismus nutzen auch die ab-nehmer der Rohstoffe, im Fall von Weizen also Brotfabriken und andere Lebensmittelhersteller.

Sie erwerben in der Regel Kaufkontrakte und si-chern sich auf diesem Weg vorab einen Preis fr ihren Rohstoffbedarf. Dafr mssen Kufer und verkufer bei der Brse registriert sein und dort ein Konto fhren. Fr die meisten Marktteilneh-mer bernimmt eine Bank diese Dienstleistung.

Findet sich ein anderer Hndler, der zum geforderten Preis die Gegenseite ber-nehmen will, wird der vertrag automatisch abge-schlossen. Deshalb ist auch eine gewisse zahl an Spekulanten fr das Funktionieren von Terminbr-sen notwendig.

Was ihre Vorgnger in der Renaissance nur ausprobiert hatten und bald wieder aufgeben mussten, machten die Pi- oniere des modernen Handels zu ihrem zentralen Instrument. Farmer, Ver-arbeiter und Hndler kauften und verkauften Getreide im Voraus zu festge-legten Terminen und mithilfe standardisierter Kontrakte, deren Preis ihre Vertreter ber die Brse aushandelten. Das Neue daran war, dass die Brse selbst der Vertragspartner fr Kufer wie Verkufer wurde und fr die Erfl- lung des Vertrages garantierte.

Dafr mussten die Akteure ihrerseits Sicher-heiten auf ein Brsenkonto einzahlen, im Branchenjargon margins genannt. Das hatte zunchst wenig mit Spekulation zu tun. Die Idee war vielmehr, die wilden Preisschwankungen auf dem Getreidemarkt zwischen dem berfluss nach der Erntezeit im Herbst und dem Mangel im Frhjahr zu vermeiden. Das ging einher mit der Einrichtung von groen Lagerhusern, deren Nutzung direkt mit den Futures verbunden war: Wer einen solchen Vertrag erwarb, bekam im Falle eines Kaufes das Recht, die entsprechende Menge an Weizen, Mais oder Hafer zum vereinbarten Termin und vereinbarten Preis aus diesen Lagerhusern zu beziehen.

Wer dagegen verkaufte, musste bis zum selben Zeitpunkt die vereinbarte Menge dort anliefern oder aus den Bestnden kaufen. Daran hat sich im Grundsatz bis heute nichts gendert. Wo immer Futures auf Rohstoffe gehandelt werden, knnen diese im Prinzip auch mit der Lieferung der physischen Ware erfllt werden.

Die Konstruktion diente und tut dies im Prinzip noch immer den Inte- ressen beider Seiten. Die Farmer und ihre Handelsgenossenschaften wussten schon vor der Aussaat, welche Menge an Getreide sie zu welchem Preis wr- den verkaufen knnen, und konnten ihre Anbauplanung darauf einstellen. Binnen weniger Jahre fand das Modell darum auch Nachahmer in aller Welt. Von Bombay ber Frankfurt a. Doch so einleuchtend und praktisch das Konzept ist, so anfllig war es auch von Anfang an fr Manipulation und spekulative bertreibungen.

Zudem etablierte sich alsbald auch ein Handel mit den Futures durch Akteure, die mit Produktion und Verarbei-tung gar nichts zu tun hatten, sondern nur auf Preisbewegungen wetteten und die Future-Kufe nutzten, um einen knstlichen Mangel zu erzeugen und da-mit die Preise hochzutreiben.

Die Wahrscheinlichkeit fr die Bildung solcher Blasen steigt aber, je hher der anteil jener am Future-Handel ist, die nur aus finanziellen Grnden im Terminmarkt handeln und an der physischen Ware gar kein interesse haben. Sie wird als margin bezeichnet und betrgt in der Regel 8 bis 12 Prozent des nominalen Wertes der ber den Future ge- oder verkauften Rohstoffmenge. Wenn der Future-Preis stark schwankt und die eingezahlte Sicherheit zur Deckung eines Wertverlustes nicht ausgleicht, fordert die Brse nachzahlungen.

Dieser vorgang heit Margin Call. Margins sind aber auch beim Handel mit anderen Derivaten und auch im Handel zwischen den Banken blich. Warenterminbrsen erfllen eine wichtige Funktion. Doch Warentermingeschfte waren auch von anfang an anfllig fr manipulation und spekulative bertreibungen. Bereits setzte der US-Senat darum erstmals eine Untersuchungskom-mission ein, die wegen zahlreicher corners and squeezes, also spekulativer Hortung und knstlich erzeugtem Mangel mittels CBOT-Kontrakten ermit-telte.

Erst als einer seiner Gegenspieler mit eigens eingesetzten Spezialbooten eine Fahrrinne in den zugefrorenen Michigansee brechen lie und damit Lieferungen aus den nrd- lichen Regionen ermglichte, brach der Preis wieder ein, und Leitner musste Konkurs anmelden. Mal waren es Baumwoll-spekulanten in Indien, mal Weizenhndler in Europa und immer wieder war Chicago der Schauplatz spektakulrer Marktmanipulationen.

Schon damals fhrte dies zu hitzigen politischen Debatten, die dem gleichen Muster folgten, das auch heute wieder die Auseinandersetzung prgt. Whrend die Kritiker die Spekulanten beschuldigten, die Preise bermig nach oben oder unten zu treiben, argumentierten die Befrworter, die Agrarbrse nutze allen, weil sie Produzenten und Verarbeitern ber die Futures, die Warenterminvertrge, Sicherheit gebe und sie gerade vor Preisschwankungen schtze.

Zunchst stellte er sich auf die Seite der Spekulanten, weil diese die Kosten fr Farmer und Konsumenten senken, indem sie das [Preis]Risiko bernehmen, erklrte er. Spter, unter dem Eindruck erneuter Spekulationsskandale, zrnte er, es gebe keinen eklatanteren Beleg [fr Missbrauch], als die Millionen, die durch die schiere Manipulation der Maschinerie erzielt werden, die der [Chicago] Board of Trade bereitstellt.

Roosevelt schuf mit den Finanzmarktreformen im Gefolge der groen Depression eine effektive Aufsicht fr die Rohstoffbrsen. Diese setzte erstmals Grenzen fr die Hchstzahl von Future-Vertrgen durch, die einzelne Handelsfirmen halten durften. Demnach war es allen Unternehmen oder Hndlern, die nicht selbst auch im physischen Getreidehandel ttig waren, verboten, mehr als Standardkontrakte pro Getreideart zu erwerben.

Das entsprach einer Menge von zwei Millionen bushel Scheffel Getreide oder knapp Diese Positionslimits erwiesen sich von da an ber sechzig Jahre lang als hchst wirksames Instrument, um die Ge-treidespekulation in Grenzen zu halten.

Erst nach wurden die Grenzen in mehreren Stufen weiter heraufgesetzt. Wer long geht, der kauft und hlt das Papier, setzt also auf steigende Preise.

Wer short geht, tritt als verkufer auf und ge-winnt, wenn die Preise sinken, weil er das Wertpapier zu einem spteren zeitpunkt fr einen geringeren Preis erneut kaufen kann. Bei Futures gehen jene, die steigende Preise erwarten und darum auf der Kaufseite auftre-ten long.

Hndler, die heute zum Festpreis in der zukunft verkaufen und darum bei spter sinkenden Preisen gewinnen wrden, gehen short. Diese setzte erstmals grenzen fr die Hchst-zahl von Future-Vertrgen durch, die einzelne Handelsfirmen halten durften. Bis dahin hatten die west-lichen Industrielnder knapp drei Jahrzehnte lang ihre Whrungen ber feste Wechselkurse aneinandergekoppelt. Gleichzeitig unterlagen internationale Kapitaltransfers strikten nationalen Kontrollen, sodass niemand gegen das Fest- kursregime spekulieren konnte.

In der Folge mussten alle Mitgliedstaaten die Wechselkurs- und Kapitalkont-rollen aufgeben und machten so den Weg frei fr eine regelrechte Revolution des Finanzgewerbes. Nicht lnger eingesperrt in den nationalen Grenzen, bauten Banken und Fonds aller Art erneut ein weltumspannendes Finanzsystem auf, in dem die Kurse stndig schwankten. So geriet der Welthandel zusehends in Abhngig-keit von den Finanzmrkten. Zur Absicherung gegen die Zins- und Kursn-derungen entwickelten die Banken gemeinsam mit den Brsen eigens neue, dieses Mal rein finanzbezogene Future-Kontrakte, mit denen Produzenten und Handelsunternehmen sich Wechselkurse oder Zinsraten auf feste Termine in der Zukunft sichern konnten.

Die Gebhren oder Prmien, die dafr anfielen, wurden zu einer der wichtigsten Einnahmequellen fr das Finanzgewerbe. Der Aufbau dieser Mrkte ging einher mit der elektronischen Vernetzung der Brsen und Handelsteilnehmer ber alle Grenzen hinweg. Bis Mitte der 90er-Jahre, lange bevor das Internet zum Massenmedium wurde, entstand auf diesem Weg ein globaler Cyberspace der Weltfinanz, der die Staaten und ihre Volkswirtschaften zusehends in den Bann der Finanzwelt zog.

Eine stetig anwachsende Menge liquiden, also frei verfgbaren Kapitals, gespeist aus Pensionsfonds, Versicherungen, Stiftungsgeldern und Ersparnissen in ver-schiedenster Form werden seitdem stndig zwischen Finanzpltzen, Brsen, Aktien, Anleihen und Whrungen hin- und hergeschoben. Seitdem folgt die Bewertung von Wertpapieren und ganzen Volkswirt-schaften immer hufiger eher den Gesetzen der Massenpsychologie als ratio-nalem wirtschaftlichem Kalkl.

Die meistgehandelten Derivate beziehen sich auf die Entwicklung von Wechselkursen und zinsen. Sie wurden erfunden, um unternehmen und Hndlern die Mglichkeit zu geben, sich gegen Kursschwankungen abzusichern. Sie eignen sich aber auch zur Spekulation, weil sie mit we-nig Geldeinsatz hohe Gewinne und verluste ermglichen.

Das ermglicht Hndlern aus aller Welt die Beteiligung, wenn sie bei der jeweiligen Brse registriert sind und dort ein Konto einge-richtet haben. Hndler knnen Futures jeweils als Kufer oder verkufer zeichnen. Kaufpositionen werden als long bezeichnet, verkaufspositionen als short. Die jeweiligen Kontrakte gelten immer erst dann, wenn es fr einen Kufer auch einen verkufer gibt und umgekehrt. Die Summe aller jeweils gezeichneten vertrge firmiert in der Brsen-Statistik als open interest.

Die Kontrakte mssen sptestens in dem Monat ihrer Flligkeit, kurz vor dem auslaufen des Futures, abgewickelt, d. Dies geschieht ber die neutralisierung bestehender Kauf- und verkaufsvertrge siehe Kasten So funktioniert der Future-Handel.

Dabei stellt die Brse die zentrale Gegenpartei fr alle abgeschlossenen vertrge. Das heit, wer ei-nen Future kauft und dann bei der Glattstellung einen Gewinn erzielt, ist nicht auf einen dritten angewiesen, um seinen Gewinn einzulsen, son-dern diesen zahlt die Brse direkt aus. Gleichzei-tig kassiert die Brse die flligen Betrge bei den Hndlern, deren Future-Kontrakte demgegenber an Wert verloren haben.

Deren Hhe richtet sich nach den mg-lichen Preisschwankungen und liegt in der Regel zwischen 8 und 10 Prozent vom Gesamtwert eines Kontraktes. Gehandelt werden jeweils Kontrakte auf knftige Termine, die bis zu zwei Jahren in der zukunft liegen.

Sie bildet die Erwartungen der Handelsteilneh-mer ber die knftige Preisentwicklung ab. Der Einfachheit halber ist hier nur der Future-Handel beschrieben. Der gegen-teilige Fall, die Backwardation, bezeichnet eine Situation, bei der zeitlich weiter entfernt liegen-de Futures einen niedrigeren Preis haben als der nchst fllige Kontrakt. Weil die Finanzindustrie wegen des hohen zulaufs der anleger auf ihre Roh-stofffonds hufig ber lange Perioden wachsende Kufe auf den Terminmrkten ttigt, haben in den vergangenen zehn Jahren die Contango-Lagen an den Terminbrsen stndig zugenommen.

Dabei ist die zahl der gehandelten vertrge vllig unabhngig von den mglichen Mengen der tat-schlich vorhandenen physischen Ware und ber-schreitet diese um ein vielfaches.

Die Jahresernte fr diese Weizensorte liegt jedoch nur bei rund 9 Millionen Tonnen. Gleichzeitig ist der Handel mit diesen Futures so intensiv, dass an vielen Brsen-tagen mehr als eine gesamte Jahresernte ge- und verkauft wird. Die bisher noch unabhngige London Metal Exchange ist dagegen der weltweit fhrende Platz fr den Handel mit Futures auf nichteisenmetalle.

All das hatte fr den Handel mit Getreide und anderen Rohstoffen zunchst scheinbar keine Bedeutung. Die Spekulanten waren nur Mitspieler auf den Rohstoff-mrkten,17 erinnert sie sich und sie waren bei den kommerziellen Kufern und Verkufern am Getreidemarkt sogar willkommen.

Denn sie sorgten da- fr, dass der Markt fr die Futures liquide war, das heit, es gab stets Kufer oder Verkufer fr alle Kontrakte, auch solche, die auf ein Jahr und mehr im Voraus datiert waren. Dabei lag aber der Anteil aller Kontrakte, die zu rein spekulativen Zwecken gehandelt wurden, selten hher als 20 Prozent18 siehe S. Aber mit Beginn des neuen Jahrtausends nderte sich das radikal. Die Finanz- welt hatte in den Jahren zuvor einen weltweiten Brsenboom orchestriert, der die Aktienkurse in nie gekannte Hhen getrieben hatte.

Dahinter stand die tausendfach publizierte Annahme, dass die Entwicklung des Internets Produktivitt und Gewinne auf Jahre hinaus stark anheizen werde, insbe-sondere bei jenen Unternehmen, die in den Aufbau und die vielen neuen Anwendungen des Netzbetriebs investierten.

Als die Gewinne dann jedoch fielen oder ganz ausblieben, kippte die Stimmung und die Kurse brachen auf breiter Front ein. Viele Investoren, darunter vor allem Pensionsfonds und reiche Stif-tungen machten enorme Verluste. Aktien erschienen pltzlich als Kapitalan-lage weit weniger attraktiv und die Anleger suchten nach Alternativen.

Doch letztlich ist es gleich, ob die jeweiligen analysen tatschlich fundiert sind oder nicht. Fr die akteure zhlt auch nicht, was sie selbst darber denken. Entscheidend ist die Erwartung darber, was die anderen denken, rumt jeder Hndler auf nachfrage sofort ein.

Denn es ist die Summe aller urteile, die am Ende den Kurs bestimmt. So folgt jeder einzelne Fondsmanager oder vermgensverwalter individuell durchaus rationalem Kalkl. Mit diesem Index spiegelten die Investmentplaner die Entwicklung der Future-Preise von 25 verschiedenen Rohstoffen von Alu-minium bis Zucker, wenn auch nur solche, fr die es auch einen liquiden Future-Handel an der Brse gab. Der Index wird berechnet auf Basis der je- weils jngsten Preise fr die nchst flligen Future-Vertrge ber die erfassten Rohstoffe.

Darber sollten sie an den Gewinnen oder Verlusten auf den Future-Mrkten teilhaben, ohne selbst jemals damit handeln zu mssen. Stiegen die Future-Vertrge im Wert, sollte auch der Wert der Kapitalanlage entsprechend zulegen und um-gekehrt.

Solche Anlagen in einen Rohstoff-Index waren in den ersten zehn Jahren nach ihrer Erfindung zunchst nur ein Nischenprodukt fr einzelne Groinvestoren. Gleichzeitig schienen ihre Daten-reihen zu belegen, dass die Rohstoffertrge unabhngig von der Aktienent-wicklung waren, und teils sogar negativ korreliert verliefen, sprich, die Rohstoffpreise stiegen, wenn Aktien fielen und umgekehrt. Dass die tatschlichen Ertrge weit geringer ausfallen, weil die Future-Vertrge stets nur eine begrenzte Laufzeit haben und darum regelm-ig mit oft erheblichen Abschlgen fr die Anleger verkauft und die Erlse in neue Futures fr sptere Zeitpunkte investiert werden mssen, dazu verloren die Auftragsforscher kein Wort siehe S.

Der Deutsche aktien-index Dax zum Beispiel spiegelt die Entwicklung der Preise fr aktien der 30 grten deut-schen aktiengesellschaften. Jeder index bezieht sich auf ein Basisjahr, in dem der Wert des index betrgt.

Wenn der index zum Beispiel zwei Jahre spter auf steigt, heit das aber nicht, dass alle aktien gleichzeitig um fnf Prozent an Wert gewonnen haben, sondern nur, dass dies im Durchschnitt und noch einmal ver-rechnet mit der unterschiedlichen Ge- wichtung der einzelnen Werte im index geschehen ist.

Darum warb die Finanzindustrie weltweit mit der Studie fr ihre Rohstoff-Index-Investments und erzielte da-mit einen durchschlagenden Erfolg. Erstmals in ihrer jhrigen Geschichte waren Rohstoff-Futures fortan nicht mehr blo ein Instrument zur Preisfindung und Absicherung.

Von nun an verkaufte die Finanzwirtschaft den Einstieg in diese Warenter-minkontrakte als neue asset class, also eine ganz neue Klasse von Kapital-anlagen, die jeder Vermgensverwalter seinem Portfolio zur Absicherung gegen Krisen auf den anderen Mrkten beimischen sollte. Im groen Stil floss auf diesem Weg anlagesuchendes Kapital auf die vergleichs- weise kleinen Warenterminmrkte, die fr diesen Zweck eigentlich nie ge- dacht waren.

Denn die Rohstoffanlagen dienen anders als Aktien oder Anleihen nicht dem Zweck, den Aufbau von Produktionsanlagen, neuen Unternehmen oder staatlicher Infrastruktur zu finanzieren und auf diesem Weg Ertrge zu erwirtschaften.

Vielmehr schlieen die Rohstoffanleger ledig-lich Wetten auf die Preisentwicklung der zugrunde liegenden Rohstoffe ab.

Doch den volkswirtschaftlichen Sinn dieser Kapitalumleitung mussten die Investmentbanker gar nicht erklren, die vermeintlichen Gewinnaussichten gengten.

Die jeweiligen Rohstoffkrbe unterscheiden sich in der Gewichtung der einzelnen Roh- stoffe und weisen daher unterschiedliche Kursentwicklungen auf. Binnen weniger Jahre erfuhren die roh- stoffmrkte eine radikale transformation. Von nun an verkaufte die Finanzwirtschaft den einstieg in diese Warenterminkontrakte als neue asset class, die jeder Vermgensver-walter seinem portfolio zur absicherung gegen Krisen auf den anderen mrkten beimischen sollte.

Dabei zahlt die Bank den investoren den Gewinn des index-Wertes. Entwickelt sich der index-Wert negativ, muss der Swap-Kufer der Bank den verlust erstatten im Gegenzug erhlt die Bank von dem Swap-Kufer die zinsen, die sich aus einer anlage der gleichen nominellen Summe in kurz laufendenStaatsanleihen ergeben wrden, plus einer Managementgebhr von 1 bis 2 Prozent dieser Summe.

Das Swap-arrangement hat fr die institutionellen investoren den vorteil, dass sie anders als die anleger in brsengehandelten Rohstofffonds nicht den gesamten nominellen Wert der am Rohstoffmarkt zu investierenden Summe einzahlen mssen. Weil die Banken dabei keine Sicherheit fr mgliche verluste bei den Future-Kufen haben, verkaufen sie die Swaps auf Rohstoff-indizes nur an institutionelle investoren, die mit ihrem ver- mgen jederzeit fr verluste haften knnen.

Das Geld der investoren, das dem Fonds zufliet, wird von einem Fondsmanager verwaltet. Dieser erwirbt entsprechend der zusammensetzung des zugrunde liegenden index ausschlielich Kaufver-trge Long-Positionen an den Futures-Mrkten. Dafr muss er jedoch nicht die gesamte anlagesumme aufwenden, sondern nur das Geld, das die Brse als Margin, als Sicherheitsleistung fr die mglichen Preisschwankungen fordert.

Die Margin-zahlung betrgt, je nach Marktlage und Future-Kontrakt, mal 8, mal 10, im ausnahmefall, bei besonders wechselhafter Preisentwicklung, auch mal 15 oder 20 Prozent. Den Rest des Gel-des parken die Fondsmanager in sicheren, kurz laufenden Staatsanleihen, deren verzinsung auch dem Fonds zufliet. Das anleihekonto dient dem Fondsanbieter auch als Sicherheit fr mgliche verluste.

Die Banken bernehmen also selbst kei-nerlei Risiko. Gleichzeitig erheben sie aber vorab zwischen ein und zwei Prozent Gebhren auf die gesamte anlagesumme. Steigt die notierung der Futures aufgrund von Preiserhhungen der Rohstoffe whrend ihrer Laufzeit, dann schreibt die Brse dem Konto des Fondsmanagers den zuwachs gut. Sinkt die no-tierung, zieht sie die entsprechenden Betrge von dem Margin-Konto ab oder fordert gegebenenfalls nachzahlungen, die der Fondsmanager aus dem in anleihen geparkten brigen Fondsvermgen leistet.

Rohstoff-indexfonds werden vorwiegend von gro-en investmentbanken vermarktet und betrieben. Die anleger in solchen Fonds knnen damit von steigenden Preisen auf den Rohstoffmrkten pro-fitieren oder bei fallenden Preisen verlieren.

Dabei nimmt die Bank das Geld in verwaltung und inves-tiert es am Future-Markt im gleichen umfang. Darin werden je nach an-bieter bis zu 25 verschiedene Rohstoffe zusam-mengefasst, die jeweils spezifisch gewichtet sind. Darin haben die agrarrohstoffe Mais, Weizen, Soja, Baumwolle, Kaffee und Kakao einen anteil von zu-sammen 17,3 Prozent, Energierohstoffe sind da-gegen mit 66 Prozent beteiligt.

Der jeweilige index-Wert bemisst sich am aktuellen Preis der nchst flligen Futures fr die einzelnen Rohstoffe. Darum enthalten die indizes auch nur solche Gter, fr die es gut funktionierende, liqui-de Futures-Mrkte an den Brsen gibt. So kann es ein, dass der zu- grunde liegende index auf lange Frist zwar steigt, weil die jeweilig nchst flligen Futures gegenber denen der vorherigen Monate teurer sind.

Eine Besonderheit der Rohstofffonds ist, dass die Fondsmanager ihre Future-Positionen stets kurz vor dem ablauf der jeweiligen Kontrakte erneuern mssen, weil das Kapital des Fonds auch nach Fl-ligkeit der Futures weiterhin in Futures investiert bleiben soll. Dafr stellen sie die auslaufenden Futures glatt und erwerben anschlieend neue Futures zu der jeweiligen notierung.

Dieser vor-gang wird Roll genannt und birgt fr die anleger Risiken. Darum erzeugen sie eine erhebliche zustzliche nachfrage nach Future-Kaufkontrakten und werden auch als long-only oder massive passives bezeichnet.

Die Wertentwicklung von indexfonds auf Roh-stoffe hat darum fr die anleger drei Kompo- nenten: Die Summe aus allen drei Komponenten heit Total Return. Mit der bis geltenden Begrenzung auf Kontrakte pro Investor und Rohstoff wren einzelne Banken schnell an ihre Grenzen gestoen.

Weil sie sich nicht auf Kundeneinlagen sttzen konnten, hatten In-vestmentbanken darum schlechtere Bonittsnoten und waren so riskantere Partner fr Kapitalmarktgeschfte, mussten also mehr fr bentigte Kredite bezahlen als normale Banken mit den Bestnoten der Rating-Agenturen, die gemeinhin zur Bewertung der Bonitt von Kreditnehmern und Ausstellern von Wertpapieren engagiert werden.

Darum drngte die Finanzbranche auf die Aufhebung der alten Regeln, und das mit durchschlagendem Erfolg. Es war die groe Zeit des Glaubens an die Selbstregulierung der Mrkte, wie es die neoliberale Schule der Wirtschafts-wissenschaft lehrte.

Demnach sollten die Finanzmrkte so effizient in der Verarbeitung von Informationen ber kommende Marktentwicklungen sein, dass sich mgliche bertreibungen auch ohne staatliche Aufsicht von selbst ausgleichen sollten.

Born hatte beobachtet, dass nicht nur der Handel mit den Futures an den ihr unterstehenden Brsen mit zweistelligen Raten zulegte, gleich ob fr Rohstoffe oder fr Whrungen und Zinswetten. Welches Geldhaus damit welche Risiken einging, darber gab es weder Daten noch behrdliche Kontrollen. Der vllige Mangel an zentralen Informationen er-laube es den Derivate-Hndlern, Risiko-Positionen einzunehmen, die unsere regulierten Mrkte, ja sogar unsere ganze Wirtschaft bedrohen, und das ohne das Wissen bei irgendeiner Bundesbehrde 24, erklrte Born schon bei einer Anhrung im Kongress.

Mit dem Ruf nach Befreiung von der Regulierung24 zitiert nach: Die innovationen der Finanzindustrie htten kaum irgendwelche Folgen gehabt, wenn die alten regeln der terminbrsen in chicago und new York weiterhin an- wendung gefunden htten. Doch die Finanzbranche drngte erfolgreich auf die aufhebung der alten regeln.

Alle Finanzkonzerne durften fortan alle Arten von Finanzgeschft unter einem Konzerndach vereinen. Kurz darauf folgte der Commodity Futures Modernization Act. Zugleich hob es auch fr den Handel mit Futures auf Energierohstoffe alle bis dahin geltenden Begrenzungen auf. Waren ehedem nur Kontrakte pro Handelsteilnehmer und Getreidesorte erlaubt, stiegen diese fr Mais auf So konnten ein-zelne Akteure jeweils Vertrge ber Fr die Banker im Geschft mit Rohstoffderivaten waren jedoch auch diese Grenzen noch zu eng.

Dem-nach durften Unternehmen, die als Hndler der physischen Ware oder als Verbraucher groer Mengen Getreide oder Rohl ein legitimes Interesse an der Preissicherung nachweisen konnten, sich von den Positionsgrenzen be- freien lassen. Diese als bona-fide-hedging bezeichnete Ausnahmeregelung beanspruchte als erste Bank Goldman Sachs fr sich, nachdem sie in den Verkauf ihrer Indexfonds fr Rohstoffe eingestiegen war.

Der Chef der Gold-man-eigenen Handelsfirma J. Diese Forderung lief dem Zweck der Regelung vollstndig entgegen. Die Positionsgrenzen sollten ja gerade den Einfluss des rein aus finanziellen Motiven betriebenen Future-Handels begrenzen. Aber der Ein-fluss der Finanzlobby hatte mehr Gewicht als diese Logik und die Ausnahme wurde schlielich gewhrt, nicht zuletzt deshalb, weil mit Robert Rubin ein frherer Chef von Goldman Sachs das Finanzministerium fhrte.

Von da an gab es kein Halten mehr. Im Gefolge der groen Deregu-lierung konnte ab dem Jahr schlielich jedes Finanzunternehmen die-sen Ausnahmestatus in Anspruch nehmen und die Positionsgrenzen verloren ihre Bedeutung.

Und es blieb auch nicht bei den Swap-Arrangements fr ins-titutionelle Investoren wie Pensionsfonds oder Stiftungen. An dieser Front war die Deutsche Bank der Pionier. Dieser stand auch fr Kleinanleger offen, wurde hnlich wie andere Investmentfonds auch an der Brse gehandelt und konnte also je-Die positionsgrenzen sollten den ein-fluss des rein aus finanziellen motiven betriebenen Handels begrenzen.

Zu den Fonds, die ber die ganze Breite der Rohstoffe investieren, gibt es inzwischen zahlreiche weitere, die speziell einzelne Rohstoffklassen wie Energie, Soft commodities Kakao, Kaffee, Baumwolle oder auch den Agrarsektor insgesamt verfolgen.

Unter der Marke X-trackers bietet die Deutsche Bank zudem ein hnliches Fonds- Programm auch noch mal fr ihre europischen Kunden an und ganz hn-lich halten es fast alle international ttigen Banken. Des Weiteren sind mindestens ebenso viele sogenannte Exchange Traded Commodities ETC im Angebot, die dem Anleger zustzlich die Sicherheit bieten, dass sie direkt mit physischen Rohstoffen unterlegt sind.

Dabei handelt es sich um Schuldverschreibungen der ausgebenden Banken gegen-ber den Anlegern. Deren Rckzahlung und Verzinsung ist in der Regel ber eine jeweils spezifische Formel an die Preisentwicklung einzelner Rohstoffe oder eines Index ber eine ganze Rohstoffgruppe gekoppelt. So knnen die Anleger auch direkte Wetten auf einzelne Rohstoffpreise abschlieen.

Und selbst alle diese ffentlich gehandelten Rohstoff-gebundenen Wertpapiere sind doch nur ein kleiner Teil des Marktes. Dieser luft ber direkte Vereinbarungen zwischen den Banken und ihren Kunden sowie zwischen den Banken untereinander. Dabei fungieren die Rohstoffabteilun-gen der Banken als Drehscheibe zwischen allen am Rohstoffmarkt beteiligten Akteuren, also nicht nur Finanzinvestoren, sondern auch Produzenten und Verarbeitern, die nicht selbst auf den Terminmrkten handeln wollen.

Fr sie bernehmen die Banken genau wie die Brsen auch die Preissicherung, fr Kufer genauso wie fr Verkufer, allerdings nach deren jeweils spezifischen25 Financial Times, Convenience proves a big attraction, ETCs auf Energie- oder agrarrohstoffe verfgen meist auch nur ber Edelmetalle als Sicherheit, whrend sich die Kursentwicklung nach den Future-Preisen richtet, die die Banken wiederum selbst erwerben oder per Swap bei Dritten halten muss, um nicht selbst das Kursrisiko zu tragen.

Weil die einen als Kufer auftreten, die anderen als Verkufer, stehen die Banken zwischen den Teilnehmern. So knnen sie die jeweiligen Risiken gegeneinander stellen, so wie es auch die Brsen tun.

Weil sie aber alle Kundenwnsche bedienen, gleich ob die Kunden long oder short gehen wollen, gleichen sich die Positionen anders als an den Brsen nicht aus. Es kann sein, dass zum Beispiel mehr Bankkunden als Kufer auftreten, die auf steigende Preise setzen, als demgegenber Verkufer stehen, die sinkende Preise erwarten.

Auf diesem Weg hat sich das rein finanzielle Rohstoffgeschft noch einmal vervielfacht, weil die Banken so ber den OTC-Handel eine zustz-liche parallele Handelsumgebung schaffen. Folgerichtig stiegen die groen Investmentbanken darum in den vergangenen Jahren selbst auch in den physischen Handel mit Rohstoffen ein.

Seitdem betreiben sie nicht mehr nur die virtuelle Hortung von Rohstoffen in Form von Future-Vertrgen im Auftrag ihrer Kunden, sondern horten auch die Rohstoffe selbst, wenn die Future-Preise anzeigen, dass sie zu einem spteren Zeitpunkt zu hheren Preisen verkauft werden knnen. Das geht so weit, dass Morgan Stanley zeitweilig mehr Tanker chartert als selbst der lkonzern Chevron. Deren Rückzahlung und Verzinsung ist in der Regel über eine jeweils spezifische Formel an die Preisentwicklung einzelner Rohstoffe oder eines Index über eine ganze Rohstoffgruppe gekoppelt.

Die öffentlich gehandelten Rohstoffgebundenen Wertpapiere sind nur ein kleiner Teil des Marktes. Und selbst alle diese öffentlich gehandelten Rohstoff-gebundenen Wertpapiere sind doch nur ein kleiner Teil des Marktes. Dieser läuft über direkte Vereinbarungen zwischen den Banken und ihren Kunden sowie zwischen den Banken untereinander.

Dabei fungieren die Rohstoffabteilungen der Banken als Drehscheibe zwischen allen am Rohstoffmarkt beteiligten Akteuren, also nicht nur Finanzinvestoren, sondern auch Produzenten und Verarbeitern, die nicht selbst auf den Terminmärkten handeln wollen. Für sie übernehmen die Banken genau wie die Börsen auch die Preissicherung, für Käufer genauso wie für Verkäufer, allerdings nach deren jeweils spezifischen Financial Times, Convenience proves a big attraction, ETCs auf Energie- oder Agrarrohstoffe verfügen meist auch nur über Edelmetalle als Sicherheit, während sich die Kursentwicklung nach den Future-Preisen richtet, die die Banken wiederum selbst erwerben oder per Swap bei Dritten halten muss, um nicht selbst das Kursrisiko zu tragen.

Weil die einen als Käufer auftreten, die anderen als Verkäufer, stehen die Banken zwischen den Teilnehmern. So können sie die jeweiligen Risiken gegeneinander stellen, so wie es auch die Börsen tun. Weil sie aber alle Kundenwünsche bedienen, gleich ob die Kunden long oder short gehen wollen, gleichen sich die Positionen — anders als an den Börsen — nicht aus. Es kann sein, dass zum Beispiel mehr Bankkunden als Käufer auftreten, die auf steigende Preise setzen, als demgegenüber Verkäufer stehen, die sinkende Preise erwarten.

Auf diesem Weg hat sich das rein finanzielle Rohstoffgeschäft noch einmal vervielfacht, weil die Banken so über den OTC-Handel eine zusätzliche parallele Handelsumgebung schaffen. Das geht so weit, dass Morgan Stanley zeitweilig mehr Tanker chartert als selbst der Ölkonzern Chevron.

Denn der stete Zustrom von Kapital auf die Terminmärkte lässt im Trend Preissteigerungen erwarten, die höher sind als die Lagerkosten.

Und diesen Zustrom sichert das weltweite Marketing der Finanzbranche. Mittlerweile gibt es kaum einen Vermögensberater und kaum eine Bank, die ihren Kunden nicht dringend empfehlen, einen Teil ihres Portfolios in diesen Finanzprodukten anzulegen. Süddeutsche Zeitung, Es gibt keinen Big Bang, Ihre Dienste lassen sie sich zumeist mit 2 Prozent der Anlagesumme und 20 Prozent des Gewinns entlohnen.

Zeitweilig ging die Deutsche Bank sogar so weit, auf Brötchentüten für ihren Agrarfonds zu werben. Nicht darin enthalten sind die Summen, die zusätzlich von Hedgefonds für Wetten an den Rohstoffmärkten eingesetzt werden. Bei diesen weitgehend unregulierten Fonds, die viele verschiedene Anlagestrategien über die ganze Breite des Kapitalmarktes verfolgen, sind weltweit rund zwei Billionen US-Dollar angelegt.

Nicht eingerechnet sind auch jene Gelder, die Banken und andere Finanzinstitute im Eigenhandel auf die Rohstoffbörsen schleusen. Anzunehmen ist daher, dass mehr als Milliarden Dollar im finanziellen Rohstoffgeschäft angelegt sind. Das entspricht etwa einem Zehntel des Wertes aller weltweit gehandelten Aktien. Ob und in welchem Umfang die Anleger mit den Rohstoffanlagen tatsächlich Gewinne machen, ist nicht genau zu ermitteln.

Für die beteiligten Banken jedoch ist das Rohstoffgeschäft umso mehr zu einer tragenden Säule für ihre Gewinne geworden. Doch wer muss für diese Gewinne bezahlen, die sich nicht aus Investitionen in Unternehmen und Anleihen speisen, sondern aus Terminmarktgeschäften, die lediglich Wetten auf steigende oder fallende Preise sind? Und sind es die Anleger selbst, die die Preise nach oben treiben?

Nachdem und Anfang die Preisexplosion für Getreide und andere Agrarrohstoffe weltweit mehr als Millionen Menschen mit Hungersnot bedrohte, erhoben Hilfsorganisationen, UN-Behörden und auch zahlreiche Ökonomen den Vorwurf, die Finanzindustrie mache da ein Milliardengeschäft mit der Not der Armen.

Die Manager der betroffenen Geldhäuser wiesen den Vorwurf dagegen entschieden zurück. Die Ergebnisse sind keineswegs eindeutig. Doch die Behauptung, die Rohstoffspekulation habe keinen Einfluss auf die Preise für Nahrungsmittel, ist immer weniger haltbar. Die Behauptung, die Rohstoffspekulation habe keinen Einfluss auf die Preise für Nahrungsmittel, ist immer weniger haltbar.

Für die Anbieter von Rohstofffonds und ähnlichen Finanzprodukten ist diese Story seit einem Jahrzehnt stets dieselbe, und sie ist gut: Der Planet aber wächst nicht mit, die Verfügbarkeit von Ressourcen und Ackerland bleibt begrenzt. Also müsse die Nachfrage schneller steigen als das Angebot, folgerten zahlreiche Analysten und es könne gar nicht anders sein: Die Preise für Rohstoffe müssten steigen.

Gemeint ist, dass der Aufwärtstrend bei den Rohstoffpreisen weitgehend unabhängig vom Auf und Ab der Weltwirtschaft, dem klassischen Konjunkturzyklus, über lange Zeit anhalten werde. Und die Entwicklung seit Anfang scheint die Prognose zu bestätigen. Die Frage, ob nicht gerade auch die anwachsenden spekulativen Finanzanlagen selbst die Preise im Rohstoffsektor treiben, weisen Vertreter der interessierten Unternehmen aus der Finanzbranche dagegen stets vehement zurück.

Um das zu verteidigen, verwenden sie stets einen weitgehend gleichbleibenden Kanon von Argumenten, wie ihn gleich drei Börsenchefs Mitte Juni bei einer Konferenz der EU-Kommission in Brüssel vortrugen.

Der [Rohstoff-]Sektor war einfach unterinvestiert. Zudem sind sie nur besser informiert als ihre Kritiker und reagieren lediglich auf echte Knappheiten. Und auf die real gezahlten Preise für Rohstoffe haben sie keinen Einfluss, jedenfalls keinen, der sich handfest nachweisen lässt. Das klingt zunächst plausibel. Doch das wirkliche Geschehen an den heutigen Terminbörsen beschreiben diese Argumente nicht.

Denn sie berücksichtigen nicht, dass sich die Motive und die Strategien der spekulativen Anleger auf den Rohstoffmärkten grundlegend verändert haben. Interview mit BBC, Bis lag der Anteil der zu rein spekulativen Zwecken gehaltenen Kontrakte bei rund 20 bis 30 Prozent des Gesamtvolumens. Bis hatte sich dieses Verhältnis jedoch völlig umgekehrt.

Gute und schlechte Spekulanten — wie viel Liquidität wird gebraucht? Etwa bis zur Jahrhundertwende erfüllten die Futures-Börsen tatsächlich noch die Funktion, für die sie einst erfunden wurden und die die Verfechter des Geschäfts auch heute noch gerne beschwören. Das Gros der geschlossenen Kontrakte ging auf das Konto von Produzenten und Verarbeitern, die sich damit gegen Preisschwankungen absicherten. Parallel zu ihnen handelten auch Spekulanten an den Börsen.

Sie zeichneten mal Kauf- Long- und mal Verkaufs- Short- Positionen, je nachdem, wie sie die weitere Entwicklung bei Angebot und Nachfrage einschätzten. Sie sorgten auch dafür, dass die Börse jederzeit liquide war, dass also zum Beispiel Getreideverkäufer auch dann Käufer fanden, wenn die Verarbeiter gerade nicht kauften und umgekehrt. Die Gewinne, die sie dabei erzielten, waren insofern eine Art Prämie für die Preissicherheit, die der Future-Handel den Produzenten und Verarbeitern bot.

Insgesamt machte die reine Spekulation aber nur einen kleinen Teil der gehandelten Future-Verträge aus. Dies hat sich jedoch mit der seit dem Jahr betriebenen Deregulierung und dem daraufhin erfolgten Einstieg der Index-Investoren und vieler Hedgefonds grundlegend geändert. Bis lag der Anteil der in diesem Markt zu rein spekulativen Zwecken gehaltenen Kontrakte bei rund 20 bis 30 Prozent des Gesamtvolumens.

Denn offenkundig übersteigt die Zahl der gehandelten Verträge das für das Hedging der kommerziellen Handelsteilnehmer nötige Volumen Diese enthalten zwar nur Daten über die an den US-Börsen gehandelten Futures. CFTC, Better Markets Doch selbst wenn es Bedarf an Liquidität gäbe, so können gerade die IndexFonds und ihre Investoren, die vorwiegend für den hohen Zuwachs an spekulativen Positionen verantwortlich sind, diese gar nicht bereitstellen. Denn anders als die traditionellen Spekulanten setzen die Index-Investoren stets nur auf eine langfristige Preissteigerung.

Insofern sind die Index-Investoren stets nur auf einer Seite des Marktes präsent. Damit aber entziehen sie ihm faktisch die Liquidität. Bass den Einfluss der Finanzmarktakteure auf die Getreidepreise untersuchte. Durch diese Anlagestrategie wird dem Markt eher Liquidität entzogen, als dass sie dem Markt Liquidität zur Verfügung stellt. Bass, Universität Bremen Hans H. Bass, Finanzmärkte als Hungerverursacher? Vielfach, so rekapitulierte Masters, werde der hohe Preis für Mais auf die massiv gestiegene Nachfrage für die Ethanol-Produktion zur Beimischung bei Benzin zurückgeführt.

Gleichzeitig reiche aber die von den Indexfonds-Managern am Future-Markt gekaufte Menge aus, um theoretisch den Gesamtbedarf der Ethanol-Industrie eines ganzen Jahres zu decken. Die Future-Käufer, die nur zum Zweck der Spekulation die Kontrakte zeichnen, treten in direkte Konkurrenz zu den Verarbeitern, die — zur Preissicherung — ebenfalls Long-Positionen zeichnen müssen.

Masters, als Inhaber und Manager eines erfolgreichen Hedgefonds gewiss kein Feind der Finanzindustrie, hält daher die Vorstellung, die Käufe der Fonds könnten keinerlei Einfluss auf die Preise haben, für völlig abwegig. Wenn die Nahrungspreise sich verdoppeln, dann hungern die Menschen. Dies ist auch die Einschätzung des legendären Hedgefonds-Managers George Soros, dem Veteranen unter den Spekulanten, der über jahrzehntelange Erfahrungen auf den Finanzmärkten verfügt.

Guardian, Global food crisis: So ging die bis Sommer anhaltende Phase des schnellen Preisanstiegs für Rohstoffe aller Art einher mit einem starken Mittelzufluss für die Indexfonds siehe Grafik.

Das wiederum nehmen aber auch viele weitere Investoren, etwa bei Hedgefonds und im Eigenhandel von Banken zum Anlass, ihrerseits auf den Zug zu springen. Vielfach geschieht dies sogar ohne aktives Zutun der Händler, weil diese Fonds mit automatisierten Handelsprogrammen operieren, die auf Preissignale reagieren und so den Trend noch verstärken.

Dafür wandte er mehr als tausend solcher Programme in Modellrechnungen auf die Future-Märkte an. Gespräch mit dem Autor in Washington, Auch an der vergleichsweise kleinen Getreidebörse Matif in Paris, so berichtete die EU-Kommission, hat die Volatilität seit erheblich zugenommen. Better Markets Damit erzeugen die Futures-Börsen aber genau die Unsicherheit, für deren Entschärfung sie ursprünglich gedacht waren.

Und für viele ihrer kommerziellen Nutzer verlieren sie so ihren Zweck. Denn die hohe Schwankungsbreite treibt automatisch die Kosten für eine mögliche Absicherung nach oben. Je höher die Schwankungen, desto mehr müssen die Nutzer auch für die Margins, die Sicherheitsleistungen bezahlen, welche sie bei Zeichnung eines Futures bei der Börse hinterlegen müssen.

Gleichzeitig machen die Einkäufer von Lebensmittelunternehmen oder Luftfahrtgesellschaften erhebliche Verluste mit ihren Futures, wenn zwischenzeitlich die Preise wieder fallen. Das bekamen sie besonders drastisch während der Jahre und zu spüren, als der Ölpreis binnen 24 Monaten von 60 auf Dollar pro Fass stieg und an Gespräch mit dem Autor in Washington, Commission of the European Communities, Agricultural commodity derivative markets: Die gleiche Klage führen auch Heizölhändler, Lebensmittelunternehmen oder Baumwollverarbeiter.

Heute seien es 37 Cent und diese müsse er auf den Preis aufschlagen und so bei den Kunden die Heizkosten in die Höhe treiben. Denn auch sie müssen höhere Margins leisten. Für einen Kontrakt über Im Jahr stieg dieser Betrag aber auf bis zu 8. Tatsächlich ist diese teurer geworden und die Unsicherheit ist gestiegen. Das allerdings entspricht durchaus dem Interesse der beteiligten Finanzinstitute.

Denn je stärker die Preise schwanken, umso mehr sehen sich andere Unternehmen, die früher das Hedging nicht für nötig hielten, heute gezwungen, bei den Banken eine Absicherung zu kaufen, um ihr Geschäft noch ordentlich planen zu können. Das sichert den beteiligten Finanzkonzernen einen stetig wachsenden Zufluss an Gebühreneinnahmen. Dieses Geschäftsmodell auf Grundlage der wissentlich über die angeheizte Spekulation herbeigeführten Unsicherheit, haben die Marketingexperten der Deutschen Bank in unfreiwilliger Ehrlichkeit einmal sogar selbst dokumentiert.

Und es werden ständig mehr: Praktisch jeder an einer Terminbörse gehandelte Rohstoff kann abgesichert werden. Diese Börsenfähigkeit ist Voraussetzung für ein Hedging, macht aber auch die Preise anfälliger für spekulative Schwankungen — und erhöht damit wiederum die Notwendigkeit zur Sicherung. Interview mit CNBC, Die Lagerthese von Krugman: Denn die Futures sind lediglich Wetten auf künftige Preise und unter dem Strich ein Nullsummenspiel — egal wie viele Futures gehandelt werden.

Dies erzeugt keine zusätzliche Nachfrage nach Rohstoffen. Futures-Märkte sind k ein Null-Summen- spiel — die Lagerthese von Paul Krugman Ungeachtet solcher sichtbaren Fehlentwicklungen erheben die Verteidiger des unbegrenzten Geschäfts an den Terminbörsen einen scheinbar gewichtigen Einwand: Ganz gleich, wie viel Geld in Futures investiert werde und dort möglicherweise die Preise bewege, für die Preise auf dem Spot-Markt, also dort, wo die physische Ware gehandelt wird, habe dies gar keine Bedeutung.

Und allein dieser Preis sei es, den letztlich die Verbraucher und auch die auf Nahrungs- und Ölimporte angewiesenen Entwicklungsländer zahlen müssen.

Gleich wie viele Futures gehandelt würden, erzeuge dies keine zusätzliche Nachfrage nach Rohstoffen. Das könne allenfalls dann geschehen, wenn hohe Future-Preise dazu führen würden, dass die Produzenten ihre Ware zurückhielten und beginnen würden, Öl oder Getreide vermehrt in ihren Silos und Tanks einzulagern, um damit später einen höheren Preis zu erzielen. Genau dafür, also für steigende Lagerbestände gebe es aber keinerlei Beleg.

Und doch hat die von Krugman und seinen akademischen Mitstreitern formulierte These einen entscheidenden Mangel: Sie entspringt der Lehrbuchlogik der Wirtschaftswissenschaft, aber mit der Wirklichkeit auf den Agrar- und anderen Rohstoffmärkten hat sie wenig zu tun. Denn sie setzt voraus, dass sich der Preis auf dem Spot-Markt völlig unabhängig davon bildet, was an den Futures-Börsen geschieht.

Genau das ist aber nicht der Fall. Vielmehr sind die Notierungen auf den Terminbörsen ganz entscheidend für den Preis auf den Spot-Märkten. Roth, Hunger stillt man nicht durch Regulierung, Süddeutsche Zeitung, Die Frage, mit welchen Preisen er kalkuliert und wie er diese mit seinem Getreidehändler aushandelt, quittiert er mit einem Lachen. Dann zieht er sein Handy aus der Tasche, tippt auf das Display und zeigt das Ergebnis: Aber ansonsten, versichert Heitmüller, sei der Börsenpreis auch der Spot-Preis.

Und keiner seiner Kollegen, gleich ob aus Amerika, Australien oder Europa würde dem widersprechen. Darum ist der Preis für den jeweils nächst fälligen Future fast immer auch der, den die verarbeitende Industrie oder die Einkäufer aus den importabhängigen Ländern bezahlen. Wenn die Preise für diese Terminkontrakte aber vor allem von den Aktionen spekulativer Anleger bestimmt werden, hat dies also sehr wohl unmittelbare Auswirkungen auf den physischen Markt. Veränderungen bei den Future-Preisen führen weit häufiger zu Veränderungen bei den Spot-Preisen als umgekehrt.

Dies gilt insbesondere dann, wenn die Mehrzahl der Anleger auf den Terminmärkten sich eben nicht an Dokumentiert in: Auch wenn sie nicht wie die klassischen Spekulanten mittels Horten von Rohstoffen das verfügbare Angebot an physischer Ware absichtlich verknappen, haben ihre Investitionen über die Börsenpreise eine ähnliche Wirkung. Dies treffe besonders den Handel mit Agrarrohstoffen. Denn essen müssen die Menschen immer und meist haben sie auch bei Heizung, Stromgewinnung und Transport allenfalls auf lange Frist die Möglichkeit, beim Verbrauch zu sparen.

Hinzu kommt ein weiterer wichtiger Umstand: Entgegen der Behauptung von Krugman und seinen akademischen Anhängern ist es zumindest im Fall von Getreide keineswegs eindeutig belegt, ob Produzenten und Handelsunternehmen in den Phasen, in denen die Future-Preise über mehrere hintereinander folgende Fälligkeitstermine ansteigen, nicht doch ihre physische Ware zurückhalten und einlagern, weil sie erwarten können, in der Zukunft noch mehr dafür zu erlösen.

Doch diese Daten beruhen lediglich auf Umfragen und den Angaben, die Regierungen an diese beiden Institutionen übermitteln. Die Vorräte, die von den vielen privaten Akteuren, vom Landwirt bis zu den Handelsunternehmen und den industriellen Verarbeitern gehalten werden, sind darin entweder gar nicht oder höchst ungenau enthalten.

Dazu kommen die vielen tausend Getreidesilos, die von den Bauern und ihren Kooperativen selbst betrieben werden. So komme es häufig vor, dass viele Landwirte zunächst nur einen Teil der Ernte verkaufen und den Rest auf Lager legen. Vor diesem Hintergrund ist es nicht überraschend, dass die Schätzungen über den Lagerbestand je nach Quelle erheblich voneinander abweichen. Wie unsicher die veröffentlichten Schätzungen über die Getreidebestände sind, offenbarte sich im Juni auch am Beispiel der Vorräte in Russland.

Um die eigenen Bürger vor zu hohen Brotpreisen zu schützen, verhängte Ministerpräsident Wladimir Putin darum ein Exportverbot für russisches Getreide.

Während dies eine Preisexplosion auf dem Weltmarkt auslöste, stürzten innerhalb Russlands die Preise für Brotweizen um 50 Prozent ab. Prompt stellte sich im folgenden Juni heraus, dass in Russland zusätzliche 18 bis 20 Millionen Tonnen Weizen und Roggen lagern, die bis dahin in keiner Statistik aufgetaucht waren.

Nur weil die steigenden Rohstoffpreise und deren zunehmende Volatilität einhergehen mit der Ausweitung der spekulativen Anlagen in Rohstoffderivaten, sei dies noch kein Beleg dafür, dass die Spekulation auch die hohen Preise verursache, sagt zum Beispiel Steve Strongin, leitender Manager für Investmentstrategie bei Goldman Sachs in New York.

Dieser sei vielmehr dem dramatischen Mangel an Vorräten geschuldet gewesen. Das Gleiche gelte für den Rohölpreis. Die Idee dahinter ist einfach. Financial Times, Commodities daily: Spectres of speculation, Reuters, Pension funds mull ethics of commodity investments, Das Ergebnis fiel durchweg negativ aus und so schlussfolgerten die Autoren: Vor allem aber sei es unsinnig, dass Irwin und Sanders den Vergleich der Index-Positionen und der Future-Preise nur mit einer zeitlichen Verschiebung von jeweils sieben Tagen untersuchten.

Damit könne die Preiswirkung der Positionen von Anlegern in solche Rohstofffonds gar nicht erfasst werden. Denn die von der CFTC gemeldeten Positionen der Index-Anleger beziehen sich ja keineswegs nur auf den nächst fälligen Future-Kontrakt für den jeweiligen Rohstoff, sondern auf alle gehandelten Futures, also auch solche mit einer Fälligkeit weiter in der Zukunft.

Irwin und Sanders haben Äpfel mit Birnen verglichen und folglich keine tauglichen Ergebnisse erzielt. Weitaus relevanter ist der Einfluss über Wochen und Monate. Wann immer es Zuflüsse und Abflüsse bei den Indexfonds gegeben habe, seien innerhalb von drei Monaten die Preise für Öl-Futures gestiegen oder gefallen, und das völlig unabhängig von den jeweilig verfügbaren Daten über Angebot und Nachfrage bei der Ölversorgung.

Auch Gilbert entwickelte ein komplexes Rechenmodell, um die Investitionsflüsse zeitgerecht zu erfassen und wendete dabei den Granger-Test an. Auch seine Resultate waren eindeutig: Auch diese vier Wissenschaftler unter Leitung des Ökonomen Marco Lagi erstellten eine Modellrechnung auf Basis der Börsendaten und der verfügbaren Angaben über Produktion, Verbrauch und Lagerhaltung von Getreide weltweit und ermittelten durch Befragung von Händlern und Produzenten die Mechanismen der Preisbildung auf den Spotmärkten.

Die Autoren von 35 weiteren Untersuchungen kommen zu den gleichen Schlüssen siehe weiterführende Literatur. Beide bekennen im Gespräch, dass sie selbst lange Jahre glaubten, die Märkte würden einfach nur die Informationen über Angebot und Nachfrage spiegeln.

Die Spekulation an den FuturesBörsen sahen sie keineswegs als Problem und die Kritik daran empfanden sie nur als Spinnerei von Verschwörungstheoretikern. Europäischer Kommission Christopher L. Lagi, Yavni Bar-Yam, K. Nirgendwo ist dieser Widerspruch so offensichtlich wie bei den Preissprüngen für Rohöl.

Solche hat es auch in der Vergangenheit schon gegeben, etwa nach der Iranischen Revolution im Jahr , als beinahe über Nacht ein Zehntel der globalen Rohölförderung gefährdet schien oder , während des ersten Golfkrieges, als die Ölfelder Kuwaits brannten. Doch was geschah im Frühjahr ?

Keine Revolution und kein Krieg gefährdeten die Ölförderung. Wohl stieg der Ölverbrauch Chinas im Jahresverlauf um 12 Prozent, doch gleichzeitig sank er in den Industrieländern umso stärker. Währenddessen stieg die weltweite Ölförderung sogar noch leicht an, von 85,3 auf 85,7 Millionen Tonnen pro Tag.

Und dafür gab es nur eine plausible Erklärung: Wetten auf steigende Rohstoffpreise. Erst als der folgende Beinahe-Kollaps des globalen Finanzsystems die Investoren zwang, alle verfügbaren Anlagen aufzulösen, um sich flüssige Mittel zu beschaffen, platzte die Öl-Blase und der Rohölpreis stürzte binnen sechs Monaten um 62 Prozent ab.

April Juli Okt. Das bedeutet, die Rohstoffspekulation würde die Ernährung der Weltbevölkerung selbst dann gefährden, wenn die Getreidemärkte davon nicht betroffen wären. Die eingesetzten Maschinen verbrauchen viel Dieseltreibstoff und zugleich verteuert sich bei steigenden Energiepreisen der benötigte Mineraldünger. Die Spekulation in beiden Rohstoffklassen gleichzeitig hat darum umso härtere Konsequenzen, weil wegen der steigenden Produktionskosten die Einkommen der Bauern trotz steigender Preise nur wenig zulegen.

Das aber senkt den Anreiz, die Produktion auszuweiten. Die Ölpreis-Spitze von war jedoch keineswegs ein einmaliger Unfall.

Das gleiche Phänomen wiederholte sich im ersten Halbjahr Trotzdem hielt die Ölpreis-Rallye an den Börsen an. Das entsprach gut einem Fünftel des Preises zu dieser Zeit.

Goldman Sachs, Global Energy Weekly, Durch die Abwertung des Dollar gegenüber den meisten anderen Währungen schlug das zwar nicht vollständig auf die Weltmärkte durch. Diese extreme Verteuerung brachte vielen Millionen Menschen Not und gilt neben den parallel dazu gestiegenen Preisen für Benzin und Transport als wesentlicher Auslöser für soziale Unruhen, die während dieser Zeit in 61 Ländern ausbrachen, deren Getreideversorgung abhängig von der Weltmarktlage war. Dieser Trend ist im Prinzip auch nicht zu bestreiten.

Aber bisher konnten China und Indien, die zusammen mehr als ein Drittel der Weltbevölkerung stellen, dies noch immer mit der Steigerung der Produktion im eigenen Land ausgleichen. Darum lässt sich die Preisexplosion in damit ganz sicher nicht erklären. Denn gerade in diesem Jahr ist der Verbrauch beider Länder nur minimal gestiegen und sie waren sogar Netto-Exporteure von Getreide.

Genauso liefert der Verweis auf die wachsende Produktion von Bio-Treibstoffen keine ausreichende Erklärung. Subventionen von 6 Milliarden Dollar jährlich führten dazu, dass mittlerweile rund 40 Prozent der gesamten amerikanischen Maisernte in den Tanks amerikanischer Autofahrer landen.

Und zweifellos steht die Biospritproduktion zu Recht in der Kritik, weil sie fruchtbares Ackerland der Herstellung von Nahrungsmitteln entzieht. Gleichwohl steht die Preisexplosion für Getreide dazu in keinem Verhältnis. Auch im Folgejahr blieben die Preise vergleichsweise niedrig, während die Produktion von Biosprit noch weiter zulegte.

Zur Erklärung der Preisentwicklung taugt aber auch dieser Indikator wenig. Die Erklärung für all diese scheinbar widersinnigen Preisbewegungen ist nicht allein die vermehrte Spekulation an sich. Entscheidend ist vielmehr, dass die Finanzialisierung des Rohstoffhandels die Märkte für Rohstoffe aller Art von Aluminium über Weizen bis Zink zu einem Teil des gesamten globalen Kapitalmarktes gemacht hat.

In der Konsequenz wurden daher Zinsänderungen, Wechselkurse, Bankenkrisen und der generelle Herdentrieb der Kapitalverwalter die zentralen Faktoren, nach denen sich die Preisentwicklung richtet, weil sie eben auch das Anlageverhalten der Spekulanten auf den Rohstoffmärkten steuern. Für Rohstoffe, die von den Index-Investments nicht betroffen waren, gab es diese parallele Bewegung dagegen nicht. Dass die Index-Investoren die zentrale Rolle spielten, zeigte sich nicht zuletzt auch an den Preisbewegungen für die gleichen Rohstoffe an den chinesischen Terminbörsen.

Weil diese von der Bewegung auf dem globalen Kapitalmarkt weitgehend isoliert sind, fielen die Auf- und Abwärtsbewegungen dort für die verschiedenen Rohstoffe auch sehr unterschiedlich aus, obwohl sie doch über den physischen Handel mit dem Weltmarkt durchaus verbunden sind.

Entscheidend ist vielmehr, dass die Finanzialisierung des Rohstoffhandels die Märkte für Rohstoffe aller Art zu einem Teil des gesamten globalen Kapitalmarktes gemacht hat. Gucken Sie, was Kupfer macht. So begann der Anstieg der Rohstoffpreise nach der Finanzkrise just in dem Moment, als Amerikas Notenbanker im Mai dazu übergingen, auf Basis ihres elektronisch erzeugten Geldes selber Staatsanleihen für Milliarden Dollar zu kaufen und so das ganze Finanzsystem mit billigen Dollars zu fluten.

Doch Amerikas überschuldeten Verbrauchern war auch mit niedrigen Zinsen nicht zu helfen und die amerikanische Volkswirtschaft reagierte kaum. Dafür aber wurden Staatsanleihen zum Minusgeschäft, weil deren Ertrag unter die Inflationsrate sank.

Als die Federal Reserve ab August die gleiche Aktion wiederholte und bis Juni noch einmal Milliarden zusätzliche Dollar in den Markt schleuste, zündete dies daher eine erneute Preisexplosion siehe Grafik. Impact of financialization of commodities and globally accommodative monetary conditions, Bank of Japan Review, Tokio, März Darum war es etwa möglich, dass allein die Rohstoffanalysten von Goldman Sachs am April mal eben die Preise für Rohöl und Weizen an den US-Terminbörsen um 5 Prozent nach unten trieben, und das einfach nur, indem sie ihren Kunden per Rundbrief empfahlen, jetzt die Gewinne der vorangegangenen Monate zu realisieren und auszusteigen — eine Marktbewegung, die selbst traditionelle Spekulanten empörte.

Umgekehrt reagierte der Markt zunächst fast gar nicht auf die Ende Mai verkündete Aufhebung des Exportverbots für Getreide aus Russland, obwohl sich damit das Angebot auf dem Weltmarkt für Weizen auf einen Schlag um 15 Millionen Tonnen oder fast 10 Prozent des Weltexports eines Jahres erhöhte.

Umso stärker fielen die Preise aber ab der zweiten Juni-Woche , als in Europa der Streit um die Überschuldung Griechenlands eskalierte und Furcht vor einer erneuten Finanzkrise verbreitete.

Wir sind in der Hand von Chartisten und Trendfolgern, niemand guckt mehr auf die einzelnen Fundamentaldaten. The Fed flood slows to a trickle, Financial Times, Goldman triggers commodity retreat, In diesem Kapitel wurde begründet, warum dies entgegen den Behauptungen der Finanzindustrie möglich ist: Gute und schlechte Spekulaten, S.

Da andererseits die Future-Preise nachweislich die Preisbildung auf den Spot-Märkten beeinflussen, schlagen sich diese strukturellen Preiserhöhungen auf die Lebensmittelpreise nieder vgl. Future-Märkte sind k ein Null-Summenspiel, S. Dieser Zusammenhang ist mittlerweile auch durch zahlreiche ökonometrische Analysen belegt vgl. Äpfel und Birnen, S. Jenseits von Angebot und Nachfrage, S.

Gleichzeitig hat sich der Futures-Markt noch weiter von der realen Angebots- und Nachfragesituation für Rohstoffe abgekoppelt, weil er zu einem Teil des globalen Kapitalmarktes geworden ist. So kalkulierte der Ökonom Christopher Gilbert mithilfe einer aufwendigen Modellrechnung, dass die Preise für Rohöl allein durch die Indexfonds-Investoren im ersten Halbjahr um 20 bis 25 Prozent aufgeblasen wurden.

Bass konstruierte ein ähnliches Rechenmodell. Doch für die politische Beurteilung der Spekulation an den Rohstoffmärkten ist es letztlich ohne Bedeutung, ob die Anleger Nahrungsmittel nun um 5, 10 oder 20 Prozent teurer machen, als es nötig wäre.

Denn gleichzeitig gibt es keinerlei wirtschaftlichen Nutzen aus der massenhaften Kapitalanlage an den Rohstoffmärkten. Nicht ein Dollar oder Euro, den die Investmentbanken auf die Warenterminbörsen leiten, dient produktiven Investitionen zur Förderung von Rohstoffen oder der Herstellung von Nahrungsmitteln. Schon die Wahrscheinlichkeit der Gefährdung von Leib und Leben von Menschen erfordert die Anwendung des auch in der Europäischen Verfassung verankerten Vorsorgeprinzips, das präventives Handeln zum Schutz von Leib und Leben vorschreibt.

Zur Anwendung kommen muss in diesem Fall auch die Umkehr der Beweislast: Die Finanzmanager von Börsen und Investmentbanken, die ihre Umsätze und Gebühreneinnahmen mithilfe der Rohstoffmärkte maximieren und damit potenziell Menschen in den Hunger, ja in den Tod treiben, müssen beweisen, dass ihre Geschäfte keinen Schaden anrichten.

Genau das aber können sie nicht und sie versuchen es bisher auch gar nicht. Warum drängen sie die Finanzindustrie nicht mit einer strengen Regulierung der Terminbörsen aus dem Geschäft?

Die Antwort ist für die Demokratien der westlichen Industrieländer beschämend. Machtkampf um die Preishoheit — wer zügelt die Rohstoffspekulanten? Und wie will man den Menschen erklären, dass wir zwar die Geldmärkte regulieren, aber die für Rohstoffe nicht? Zudem sei auch die seit Langem geforderte Transaktionssteuer für die Finanzmärkte dringend geboten. Nun aber wurde er zum Gegenstand der globalen Diplomatie — und geriet damit in ein komplexes Geflecht höchst widersprüchlicher Interessen.

Reuters, G20 too divided to back tough curbs on speculators, Financial Times, Chronic hunger to affect 1bn people, Weder Sarkozy noch andere Kritiker der Rohstoffspekulation haben je von Preiskontrollen gesprochen oder diese gar gefordert.

Und doch steht hinter der Verweigerung der Agrarexportstaaten durchaus rationales Kalkül. Als treuen Verbündeten an ihrer Seite können die Gewinner des Agrarpreisbooms auf die britische Regierung zählen.

Um Preissprünge zu vermeiden, so forderten sie, sollten alle Staaten sich verpflichten, keine Exportbeschränkungen mehr zu erlassen, wie sie Russlands Regierung im Sommer für Weizen und die indische Regierung für Reis verfügt hatte. So wichtig das Verbot solcher unfairer Schutzpolitik wäre, so wenig würde dies aber an den Auswüchsen der Spekulation ändern.

Das hält auch die deutsche Bundesregierung nicht besser. Dabei schien das im ersten Anlauf noch ganz anders. Auch Finanzminister Wolfgang Schäuble gab sich zunächst durchaus kritisch gegenüber der Rohstoffspekulation.

Zur Begründung verweisen Aigner und ihre Berater ganz im Ton der Finanzlobbyisten auf das vermeintlich ungesicherte Wissen über den Einfluss der Spekulation auf die Preise.

Aber Aigner und ihre Beamten zogen es vor, diese nicht zur Kenntnis zu nehmen. Ob dies aus Rücksichtnahme auf die britische Position in der EU oder auf Druck der Finanzindustrie geschieht, ist nur zu vermuten.

Klar ist hingegen, dass Aigners Position vor allem die Interessen der deutschen Agrarlobby spiegelt. Denn ganz ähnlich wie ihre Kollegen in Brasilien oder Kanada möchten auch die Interessenvertreter der deutschen Bauern und des Agrarhandels die Förderung ihrer Erlöse durch die Spekulanten nicht missen. Hintergrund für diese bewusst naive Argumentation ist der Umstand, dass Europas Getreideproduzenten und -händler sich gegenüber den Konkurrenten in den USA und anderswo im Nachteil sehen.

Dort aber sind Agrarhandelskonzerne wie Cargill, ADM und Bunge längst auch in die Vermarktung der spekulativen Kapitalanlagen eingestiegen, haben also de facto ihre eigenen Investmentbanken gegründet und erzielen damit gute Gewinne.

Geht es nach den Interessen der europäischen Agrarbranche, soll Europa möglichst dem US-Vorbild folgen, un- Geht es nach den Interessen der europäischen Agrarbranche, soll Europa möglichst dem US-Vorbild folgen, ungeachtet der dort vom Parlament und den Aufsichtsbehörden vielfach festgestellten Fehlentwicklungen.

Für die Regenten in Moskau zählen berechenbare Preise und gute Beziehungen zu Frankreich offenkundig mehr, als die Zusatzgewinne durch die Spekulation. Aber auch wenn damit die Repräsentanten von gut zwei Dritteln der Menschheit auf verstärkte Regulierung der Rohstoffspekulation drängen, so war doch schon im Sommer klar, dass es zu keiner globalen Vereinbarung in dieser Richtung kommen wird.

Wie wenig auf diesem Weg zu erreichen ist, demonstrierten die Landwirtschaftsminister der G20, als sie im Juni in Paris ihr erstes Gipfeltreffen abhielten. Würden auf diesem Weg zuverlässige Informationen über die tatsächliche Versorgungslage bereitgestellt, wäre dies gewiss ein Fortschritt und würde den oft nur fantasierten Orakeln der Analysten aus Finanz- und Agrarindustrie den Boden entziehen. Auf dieser Basis sollte dann ab September weiterverhandelt werden.

Aber auch die Beamten in diesem Gremium unterliegen den Weisungen ihrer Finanzministerien und auch sie können nur im Konsens entscheiden. Folglich werden ihre Empfehlungen gewiss nichts enthalten, was die Regierungen in London, Brasilia oder Berlin nicht wollen. Reuters, Russia, France urge action on volatile commodities, Allerdings nur dann, wenn es auch eine klare Berichtspflicht für die Agrarkonzerne und deren Lagerbestände gibt.

Ganz gleich, auf was sich die G20 dereinst einigen werden: Die Entscheidung darüber, ob die ungezügelte Spekulation mit dem täglichen Brot der Menschheit aufgehalten wird, wird lange vorher fallen, und zwar dort, wo das Zentrum des Geschäfts liegt, in den Vereinigten Staaten. Was die Ölpreise derzeit rauftreibt, ist keineswegs ein Mangel an Angebot. Schuld an den hohen Preisen seien vielmehr die Preiswetten der Spekulanten.

Anders als für die meisten Europäer ist diese Auseinandersetzung für Millionen Amerikaner von existenzieller Bedeutung. Sie sagen uns dann, es gebe eine Chance von 20 Prozent, dass im Nahen Osten etwas geschehen und die Ölversorgung unterbrechen könnte und darum wetten wir darauf, dass der Ölpreis wirklich hoch geht, das erzeugt diese Preisspitzen.

Financial Times, Obama blames speculators for oil price rises, Darum soll die Behörde nun wieder Höchstgrenzen für die Zahl der Positionen in Futures, Optionen und Swaps, sowohl für einzelne Personen als auch für ganze Gruppen oder Klassen von Händlern erlassen und durchsetzen. Steigen die Benzinpreise auf 5 Dollar pro Gallone und mehr, wie zuletzt im April , stehen Millionen Bürger vor der Wahl, entweder ihren Wohnort oder ihren Arbeitsplatz aufgeben zu müssen.

Darum ist der Ölpreis, und wie er zustande kommt, immer wieder Gegenstand hitziger Debatten, sowohl unter den Bürgern als auch im Kongress. Um das zu erreichen, verordneten Amerikas Gesetzgeber die Rückkehr der Warenterminbörsen zu den alten Regeln aus der Zeit vor der Liberalisierung.

Vor allem aber erteilte der Kongress den Aufsehern auch den Auftrag, die Überschreitung dieser Grenzen nur noch für solche Geschäfte zuzulassen, die der Absicherung der Preisrisiken für den tatsächlichen physischen Handel mit Rohstoffen aller Art dienen. Akteure, die nur Risiken aus rein finanziellen Transaktionen absichern wollen, sollten dagegen künftig keine Ausnahmen vom Positionsregime mehr erhalten.

Investmentbanken und Hedgefonds sollten also nur noch in engen Grenzen an den Terminbörsen für Rohstoffe handeln dürfen. Der Auftrag war somit eigentlich klar und das Gesetz legte sogar die Termine für dessen Umsetzung fest. Aber was zunächst so eindeutig erschien, war ein Jahr später noch immer nicht Praxis. Allein beim US-Kongress sind 2. Weil sie das Gesetz selbst zunächst nicht rückgängigmachen konnten, drehten sie den Aufsichtsbehörden kurzerhand den Geldhahn zu.

Dort nutzten Bachus und seine Kollegen ihre neue Mehrheit, um diese systematisch zu schwächen, insbesondere die Aufseher für das Derivategeschäft. Die Folgen sind bizarr. Die Intransparenz und mangelnde Kontrolle dieser Dunkelzone des Finanzgewerbes gilt als eine der Kernursachen dafür, dass im Herbst der Zusammenbruch nur einer Bank das ganze globale Finanzsystem an den Rand des Kollaps brachte.

Aber nun konnte sie der dafür vorgesehenen Stellen nicht besetzen. Weil die Behörde nicht einmal die Reisekosten ihrer Mitarbeiter zahlen kann, fahren diese mit langsamen Bussen oder verbringen acht Stunden am Tag im Zug zwischen Washington und New York, um die Hotelübernachtungen zu sparen. Der Behördenchef musste sogar eine Reise nach Brüssel selbst bezahlen, um dort bei der EUKommission für ein gemeinsames Vorgehen bei den Finanzreformen zu werben.

Erst recht fehlen seiner Behörde die Mittel, um die Einhaltung der neuen Regeln, wenn sie denn erst einmal etabliert sind, zu überwachen. Gleichzeitig organisierten die Reformgegner auch den Widerstand innerhalb der Behörde. Er bekannte sich klar zu den Zielen der Finanzmarktreform und räumte öffentlich ein, dass die Deregulierung, die er einst selbst mit betrieben hatte, ein Fehler war. Immerhin verweigerte sich Dunn dem Gesetzesauftrag nicht vollständig. Darum durfte Gensler im Januar zumindest einen Kompromissvorschlag für den Rohstoffbereich zur öffentlichen Diskussion stellen.

Dieser setzt die Limits allerdings sehr hoch an. Den ursprünglichen Gesetzesauftrag, die Spekulation insgesamt zu begrenzen, würden diese Grenzen nicht erfüllen. Siehe Instrumente gegen die Rohstoffspekulation, S. Denn bisher ist das Geschäft in den Händen von gut zwei Dutzend Banken und Handelskonzernen konzentriert.

Die von ihnen vermittelten Anlagen in Terminkontrakten sind so hoch, dass sie sogar die weit gesetzten Grenzen weit überschreiten. Ihnen aber will die CFTC zugleich auch den Ausnahmestatus entziehen, der sie bisher von allen Begrenzungen freistellte.

Darum bestürmten die Anwälte der Finanzindustrie die Behörde mit endlosen Terminanfragen und überhäuften die Beamten mit Tausenden von Einsprüchen. Dazu gehören die Luftfahrtkonzerne genauso wie der Verband der Spediteure, die Verbraucherschutzverbände ebenso wie die Einzelhändler für Öl und Gas sowie kirchliche und linke Aktivistengruppen. Und anders als in Europa reihten sich auch mehrere Bauernorganisationen ein, darunter auch die führende National Farmers Union mit mehr als Diese profitieren zwar von hohen Preisen, zumindest wenn sie Getreide anbauen.

Zugleich sind sie aber auch Verlierer bei starken Schwankungen und bei hohen Brennstoffpreisen und erst recht, wenn sie Rinder-, Schweine- und Geflügelmast betreiben und die hohen Futterkosten nicht an ihre Kunden weiterreichen können. National Farmers Union, Presseerklärung, Und die Kritiker machen Druck. In Briefen an die Parlamentarier, bei Veranstaltungen und Fernsehinterviews stellen sie klar, dass ihnen die vorgeschlagenen Regeln nicht weit genug gehen siehe Instrumente gegen die Rohstoffspekulation, S.

Ob und in welchem Umfang es zu den neuen Regeln kommt, war bei Redaktionsschluss für diesen Report noch offen. Und auch dort sollen die Positionsgrenzen angewandt werden. Wie und nach welchen Kriterien dieser OTCHandel erfasst und beaufsichtigt werden soll, war aber bis zum Juni noch nicht geklärt, nicht zuletzt deshalb, weil die betroffenen Banken und Fonds immer neue Einwände vorbrachten.

Weil er dabei keine öffentliche Funktion erfüllte, hat er bisher nicht erklärt, wie er zu deren Umsetzung steht. Aber die meisten Beobachter erwarten, dass er sich auf Genslers Seite stellen und damit die notwendige Mehrheit herstellen wird. So ist zwar noch nicht endgültig klar, in welche Regulierung der politische Streit um die Rohstoffspekulation in den USA münden wird.

Auf der anderen Seite des Atlantiks ist dies dagegen noch gar nicht sicher. Huffington Post, Wall Street Reform: Instrumente gegen Die Rohstoffspekulation Um den Einfluss der Kapitalanleger auf die Preise an den Warenterminbörsen zu mindern, bieten sich drei mögliche Instrumente an: Gemeint ist eine für jede Börse und jeden Rohstoff definierte Obergrenze der Anzahl an Terminkontrakten und vergleichbaren über die Banken gehandelten Derivaten, die einzelne Unternehmen und Händler jeweils zeichnen dürfen.

Diese Forderung geht zurück auf die Erfahrungen an den US-Futures-Börsen, wo solche Regeln bis zum Ende des vergangenen Jahrhunderts galten und die Spekulation tatsächlich auf einen Anteil von zumeist weniger als 30 Prozent der Gesamtzahl an Futures begrenzten. Würde er in Kraft gesetzt, dürften einzelne Unternehmen nicht mehr als 10 Prozent aller offenen Kontrakte pro Rohstoff und Liefermonat halten und nicht mehr als 2,5 Prozent aller Futures über alle Liefermonate zusammen, gleich ob als Käufer long oder Verkäufer short.

Positionslimits Ob damit die Spekulation so weit gemindert werden kann, dass sie keine preisverzerrende Wirkung mehr hat, ist aber fraglich. Sie könnten nicht mehr wie bisher im Auftrag ihrer Kunden dreistellige Milliardenbeträge auf die Futures-Börsen lenken.

Das Gesamtvolumen der spekulativen Anlagen und damit ihr Einfluss auf die Preise an den Warenterminbörsen würden dadurch vermutlich nur wenig oder gar nicht gesenkt. Demnach dürften alle Finanzanleger zusammen grundsätzlich nicht mehr als 30 Prozent aller Derivate für einen an den US-Börsen gehandelten Rohstoff halten. Würde die Grenze überschritten, müssten die Anleger ihre Positionen jeweils anteilig vermindern.

Ihre Anwendung setzt voraus, dass die Aufsichtsbehörden in der Lage sind, die rein spekulativen Anleger klar von jenen Akteuren zu unterscheiden, die Terminkontrakte zeichnen, um sich gegen Preisschwankungen für Kauf und Verkauf der tatsächlichen physischen Rohstoffe abzusichern. Solche an den Umgang mit der physischen Ware gekoppelten Warentermingeschäfte müssen die Aufseher also von den Begrenzungen freistellen, wenn die Warenterminbörsen noch ihren eigentlichen Zweck erfüllen sollen.

So sieht es auch die CFTC vor. Grenzen der Positionslimits Doch diese Unterscheidung ist in der Praxis kaum trennscharf durchzuführen. Denn anders als noch vor zehn Jahren haben sich die Grenzen zwischen den beiden Seiten des Geschäfts mit Rohstoffderivaten heute weitgehend aufgehoben.

Und umgekehrt betreiben auch die Handelskonzerne für Getreide, Rohöl und Industriemetalle umfangreiche Finanzgeschäfte. Diese würden sie eigentlich begünstigen, weil ihre Absicherungsgeschäfte von den Auflagen freigestellt werden sollen.

Analysis of market behaviour and possible policy responses, Oxford Institute for Energy Studies, April Die gleiche Vermischung von finanzieller Spekulation und physischem Handel ist auch im Ölgeschäft gang und gäbe. Ganz vorne stehen die Investmentbanken Morgan Stanley und Barclays. Aber kontrollieren könnten sie diese allenfalls mit umfangreichen Buchprüfungen — ein Aufwand, den keine Behörde zu leisten in der Lage wäre.

Das bedeutet nicht, dass die Einführung der in den USA geplanten und in Europa geforderten Positionsgrenzen sinnlos wäre. Aber fraglich ist, ob allein damit der exzessiven Spekulation wirksam Einhalt geboten werden kann. Als mögliche Ergänzung zur Regulierung des Derivatehandels bietet sich daher an, die Rohstoffspekulation auch an der Quelle zu bekämpfen, also bei Pensionsfonds, Versicherungen, Stiftungsverwaltungen und Vermögensverwaltern.

Warum aber müssen die Ersparnisse von Millionen Arbeitnehmern, die Prämien von Versicherungskunden oder das Vermögen von gemeinnützigen und steuerbefreiten Stiftungen für die Spekulation auf steigende Rohstoffpreise eingesetzt werden?

Nach acht Monaten ausführlicher Beratungen zogen sie den Schluss, dass die mageren Erträge das Risiko der potenziellen Schäden für die Armutsländer und Amerikas Konsumenten nicht wert waren und legten ihren Plan auf Eis. Aber noch sind solche verantwortungsbewussten Investoren in der Minderheit. Die Schweizer Privatbank Sarasin zum Beispiel versucht sich auf die Vermarktung nachhaltiger Investments zu spezialisieren. Auf dem Höhepunkt der Hungerkrise im Juni stiegen die von der Bank angebotenen Rohstofffonds daher aus dem Handel mit Mais- und Weizenfutures aus.

Aber dabei blieb es nicht. Weil ihre Kunden die branchenüblichen Index-Anlagen über die gesamte Rohstoffpalette forderten, sind die rund 2 Milliarden Euro schweren Rohstofffonds der Bank nun auch wieder im Agrarbereich investiert. Diese stellen mittlerweile bereits ein Drittel der Anlagesummen auf den Märkten für Rohstoffderivate.

Auch für diese Fonds ist keinerlei volkswirtschaftlicher Nutzen erkennbar, nur die potenziellen Schadwirkungen. Folglich könnten derlei Fonds vom Gesetzgeber auch einfach verboten werden. Öffentlicher Druck reicht nicht Diese Episode zeigt an, dass der Druck der Öffentlichkeit allein nicht ausreicht.

Darum spricht vieles für eine gesetzliche Regelung. Rentenkassen, Versicherungen und gemeinnützige Stiftungen unterliegen ohnehin strengen Auflagen zum Schutz ihrer Kunden und der Stiftungsvermögen.

Eine weitere Auflage, das Geld der Sparer und Stifter nicht in Rohstoffen anzulegen, könnte leicht hinzugefügt werden. Zudem wäre kein wirtschaftlicher Schaden damit verbunden. Potenziell würde mehr Kapital für produktive Zwecke zur Verfügung stehen.